Susanne Eickermann-Riepe Vorstandsvorsitzende RICS | © RICS

Neue RICS-Vorstandsvorsitzende Susanne Eickermann-Riepe über ihre Diversity-Ziele, mehr Nachhaltigkeit und Folgen der Corona-Pandemie für die Immobilienwirtschaft

Miriam Beul
Miriam Beul

Chefredaktion Autobahn-Immomag, Gründerin + Inhaberin der Textschwester Immobilienkommunikation GbR

Intro

Als Frau Partnerin bei einem internationalen Wirtschaftsprüfungsunternehmen zu werden, ist schon ein Kunststück, das selten genug gelingt. Eine Vorstandsvorsitzende beim deutschen Ableger des internationalen Immobilienberufsverband RICS gab es sogar noch nie. Susanne Eickermann-Riepe ist die bewundernswerte und super sympathische Powerfrau, der solche Karriereschritte gelingen. Sie ist Vorbild für eine neue, junge Managerinnengeneration. Mit ihrem Wirken wird sie ab sofort zum Wachstum von Diversity beitragen. Und sie hat noch viele weitere Pläne, wie sie im Interview mit autobahn-immomag verrät.

 

Zitat mit Autobahn-Logo

"Einfach machen."
- Susanne Eickermann-Riepe

Textblock #2

Sie sind die erste Frau als RICS-Vorstandsvorsitzende in Deutschland. Was bedeutet das für Sie?

Ehrlich gesagt, nicht so viel auf der persönlichen Ebene. Ich habe in meiner beruflichen Laufbahn nie gefragt, ob es Hindernisse gibt. Ich möchte gestalten, etwas bewegen und gute Rahmenbedingungen für nachhaltiges Wachstum schaffen. „Einfach machen“, das ist mein Motto. Aber als Zeichen für Frauen in Führungspositionen und Role Model ist es sicher eine Botschaft. Ich bin übrigens nur Follower. RICS hatte schon eine Präsidentin – Amanda Clack, 2016/2017. Auch sie war neben anderen Stationen zeitweise Partnerin bei PwC. Mit Blick auf die 150-jährige Geschichte der RICS scheint die Ausbeute mager, aber die Zahlen bewegen sich. In Deutschland haben wir 18 Prozent weibliche Mitglieder und international sind es 15 Prozent. Das ist doch schon ein Erfolg und es werden jährlich mehr. Wenn ich als erste Frau in dieser Rolle mit meinem Wirken zum Wachstum von Diversity beitragen kann, dann werde ich stolz darauf sein.

Was möchten Sie in dieser Position erreichen?

RICS steht für Werte, die ich uneingeschränkt teile – Professionalität, Internationalität, Integrität, Standards – sie ist eine weltweit tätige Berufsorganisation, der über 130.000 Immobilienexperten rund um den Globus angehören, und die führende berufliche Qualifikation im Bereich Immobilien, Bauwesen und Infrastruktur. Sie regelt und fördert den Berufsstand auf der Grundlage hoher fachlicher Standards und einer strengen Berufsethik. Das schafft Vertrauen – und ich möchte dieses Vertrauen stärken. Gerade in Krisenzeiten ist das besonders wichtig. Die Branche wird sich mit weitgreifenden Veränderungen auseinandersetzen müssen. Digitalisierung und Nachhaltigkeit werden bestimmende Themen sein – trotz und gerade aufgrund der Corona Krise. Hier wirkt COVID19 wie ein Katalysator. Es geht um Zukunft und den Beitrag, den wir dazu leisten können und müssen, sei es für Umwelt, Soziales oder Governance. Immobilien, Bauwesen und Infrastruktur stehen im Fokus von Veränderungen, die wir noch nicht absehen können. Hier möchte ich meinen Beitrag leisten, gestalten und bewegen. Wir sind Standardsetzer und wollen es auch in Zukunft bleiben, daran müssen wir mit vereinten Kräften arbeiten.

Welchen Einfluss hat die aktuelle Krise und die Diskussion um Weltklima und mögliche weitere Pandemien auf die Immobilienwirtschaft?

Die aktuelle Diskussion ist stark geprägt von den Unsicherheiten im Zusammenhang mit exogenen Schocks und den weitreichenden Folgen, die Deutschland bisher in dieser Form noch nicht gesehen hat. Social distancing haben wir bisher noch nicht erlebt und auch das Tragen von Mund-Nase-Schutz ist uns in der westlichen Welt eher nur von asiatischen Besuchern bekannt. Die Angst Dinge zu berühren und zu erkranken, Autos, Räume oder Schreibtische nur bei nachgewiesener Desinfektion mit anderen zu teilen, all das wirft ein neues Licht auf die gerade erfundenen Konzepte in der Office-Nutzung oder auf Experience ausgelegte Flächen. Wird das, was wir an den herausragenden Städten so lieben, Vergangenheit sein? Connectivity, Mobility, Sharing – wie werden sich diese Konzepte weiterentwickeln? Offene Fragen, die zu beantworten sind, nachdem wir diese aktuelle Krise überstanden haben. Auch wenn Deutschland robuster als viele andere europäische Länder eingeschätzt wird, werden Spuren bleiben. Die großen Hilfspakete werden das Wachstum und die Nutzung von Immobilien beeinflussen. Die Veränderungen werden voraussichtlich weitreichender sein, als wir uns derzeit vorstellen können. Es gibt Risiken, aber auch Chancen und die müssen wir ergreifen.

| |

Mehr entdecken