Vanessa Opel, Senior Projektpartnerin und Mitglied der Geschäftsleitung bei Drees & Sommer I Foto: Jana Denzler

Lernen vom Start-Up – Immobilienunternehmen auf Digitalkurs

Miriam Beul
Miriam Beul

Chefredaktion Autobahn-Immomag, Gründerin + Inhaberin der Textschwester Immobilienkommunikation GbR

Intro

Mehr Kooperation, mehr Kreativität und einen Hauch von Selbstzerstörung. Die digitale Immobilienwirtschaft konfrontiert Immobilienunternehmen nicht nur mit veränderten Marktbedingungen, sondern vor allem mit einem neuen unternehmerischen Mindset. Die aktuelle Corona-Situation verstärkt den Druck, und die Notwendigkeit den Weg der Digitalisierung einzuschlagen. Ein Interview mit Vanessa Opel von Drees & Sommer.

Textblock #2

Bricks & Clicks – ist das nur eine Zwangsverheiratung, oder wird die Immobilienwirtschaft jetzt tatsächlich digital?

Die Frage des „ob“ stellt sich meiner Meinung nach hier nicht. Die Baubranche hat sich technologisch schon immer weiterentwickelt und Innovationen getrieben – smarte Gebäude und digitalisiertes Bauen sind der nächste logische Schritt. Die einzige Frage ist, wie lange wir brauchen bis die Digitalisierung ein natürlicher Bestandteil der Baubranche ist. Durch die aktuelle Corona-Situation arbeiten viele Kollegen und Kunden im Homeoffice. Der Druck, sich mit Themen und Tools der Digitalisierung auseinanderzusetzten, wächst damit automatisch. Wichtig ist, dass wir diesen Schwung auch nach der Krise beibehalten und die Digitalisierung als Chance und Möglichkeit der Kooperation begreifen, um Effizienzpotenziale zu heben und Value-Adds zu generieren. Wo es Potenziale gibt sind neue Marktakteure, Proptechs und Contechs mit ihren digitalen Lösungen auch nicht weit.

Welche Unternehmensstrukturen fördern die Anwendung digitaler Tools bzw. die Entwicklung neuer, digitaler Geschäftsmodelle?

Als Grundvoraussetzung muss eine offene Innovationskultur und Akzeptanz für den Einsatz digitaler Tools vom Management vorgelebt werden. Ein klares Commitment der Führungskräfte und eine proaktive Nutzung der digitalen Potenziale ist unabdingbar. Nur so kann ein unternehmensinternes Mindset etabliert und der Wandel gelebt werden. Flache Hierarchien, schnelle Entscheidungswege und flexible Strukturen sind dabei enorm wichtige Voraussetzungen. Heute sollte jedes Unternehmen Raum für Thinktanks, Kreativlabore und Spielwiesen für die Ideenentwicklung und Zusammenarbeit mit Start-Ups schaffen. Dabei zeigt meine aktuelle Beratungspraxis in der Corona-Krise, dass man mit einer geeigneten Toolbox auch digital sehr gut strukturiert, agil und kreativ zusammenarbeiten kann. Beispielsweise nutzen wir digitale Scrumboards, ein digitales Tool für Lean Construction Management oder Tools zur kreativen, teamorientierten Zusammenarbeit, wie Online-Mindmapping-Tools und Brownpapers.

Was zeichnet ein digitales Unternehmen aus?

Ein digitales Unternehmen zeichnet aus, dass es nicht beim Status-Quo verharrt, sondern den Blick in die Zukunft richtet und prüft, welche Mehrwerte es aus digitalen Ansätzen ziehen kann. Digitale Tools und Start-up-Lösungen sind weit mehr als USP und Effizienz-Booster – sie definieren maßgeblich die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens. Deswegen ist es meiner Ansicht nach enorm wichtig, sich selbst zu hinterfragen – ganz nach dem Motto „disrupt yourself before you get disrupted“.

Zitat mit Autobahn-Logo

"Ein klares Commitment der Führungskräfte und eine proaktive Nutzung der digitalen Potenziale ist unabdingbar. Nur so kann ein unternehmensinternes Mindset etabliert und der Wandel gelebt werden."
- Vanessa Opel

Textblock #2

Wie können sich Immobilienunternehmen mit Innovationsbedarf im Start-up-Dschungel zurechtfinden?

Keine leichte Aufgabe! Angelockt von den Potentialen der digitalen Immobilienbranche gründen sich täglich mehrere Proptechs, Contechs und Technologie-Start-ups. Hier die passenden Partner zu identifizieren zählt sicherlich zu den größten Herausforderungen für Immobilienunternehmen. Im Falle eines „Matches“ zwischen Unternehmen und Kreativköpfen bedarf es zudem eines klaren Prozesses, um die Zusammenarbeit zu forcieren und die Lösung zu implementieren.

Woran erkennt man echte Innovationstreiber und wie unterscheidet man sie von risikofinanzierten Wellemachern?

Echte Innovationstreiber zeichnet aus, dass die Partner über inhaltliche Expertise zusammenfinden, sich auf Augenhöhe begegnen und die Kooperation auf die Schaffung von Win-Win-Potenzialen angelegt ist. Den Partnern muss klar sein: Geld allein macht nicht erfolgreich. Es geht meiner Meinung nach vielmehr darum, echtes Commitment zu zeigen und sich langfristig aufeinander einzulassen. Nur durch die Bereitstellung von Prozessen, Schnittstellen und Manpower kann es Innovationstreibern gelingen, die Stärken beider Parteien zu vereinen, neue Wachstumsfelder zu etablieren und die Zukunftsfähigkeit zu sichern.

 

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