Markus Gerharz, Leitung Programm Immobilien Manager Verlag IMV I Foto: Ole Raddach/ immobilienmanager

Plötzlich Chefredakteur!

Miriam Beul
Miriam Beul

Chefredaktion Autobahn-Immomag, Gründerin + Inhaberin der Textschwester Immobilienkommunikation GbR

Intro

Seit Oktober 2019 ist Markus Gerharz Chefredakteur des bekannten Fachmagazins „Immobilien Manager“. Autobahn-Immomag sprach mit dem Vollblutjournalisten über Megatrends, neue Formate und darüber, dass Reisen mit dem Campingbus mehr Spaß machen als Rasenmähen.

Textblock #2

Herzlichen Glückwunsch zum frisch gebackenen Chefredakteur bei immobilienmanager! Wie ist das so, plötzlich Chef?

Vielen Dank. Das kann ich noch gar nicht so genau beantworten. ‚Jeden Tag immer wieder anders‘ trifft es vielleicht ganz gut. Es macht mir großen Spaß, in der neuen Verantwortung gemeinsam mit unserem Team Ideen zu entwickeln und voranzutreiben. Ich durfte von meinem Vorgänger tolle Formate übernehmen, aber natürlich hat man immer auch eigene Ideen im Kopf, die man umsetzen möchte. Das spornt an, benötigt aber an manchen Stellen mehr Arbeit und Zeit als ich gedacht hätte. Außerdem ist mir wichtig, dass unser ‚privates System‘ weiter funktioniert wie zuvor – ich mir die Betreuung unseres Kindes mit meiner Frau zeitlich gleichberechtigt teile. Ich finde es schon traurig, wie selten es noch immer ist, dass Väter und Mütter ihre Jobs gleichberechtigt ausführen sobald Kinder da sind. Das kann selbstverständlich viele Gründe haben – aber wenn man es umsetzen kann, sollte man es tun.

Seit wann gibt es Ihr Magazin und wer ist der „typische“ Leser?

Der immobilienmanager erscheint mittlerweile im 28. Jahrgang, die erste Ausgabe erschien im Juni 1991. Übrigens entstand die Idee 1990 auf der Mipim in Cannes. Das Magazin und auch unsere anderen Angebote richten sich an Immobilienprofis aus allen Assetklassen und Sparten – von Büro bis Wohnen, von Investment bis Facility Management, vom Architekten bis zum Bank- oder Fondsmanager. Im Laufe der Jahre sind etliche Themen hinzugekommen, wenn man nur an die drängenden Fragen zu Klimaschutz und Nachhaltigkeit oder einschneidende Veränderung durch Digitalisierung oder Demografie denkt. Bei einer solchen Themenbreite und unserer extrem heterogenen Zielgruppe vom „typischen Leser“ zu sprechen, ist da fast unmöglich.

Die Immobilienbranche steht vor einem großen Wandel, ökologisch, demografisch, sozial. Sogar die MIPIM entdeckt plötzlich die Menschen und stellt in ihrer 2020-Ausgabe den „Stadtbewohner“ in den Mittelpunkt. Was bedeutet das für Ihre Berichterstattung?

Eigentlich sollte der Mensch immer im Mittelpunkt gestanden haben. Schließlich ist er es, der die Immobilien nutzt, die gebaut werden. Wie sehr es wirklich „menschelt“ und ob mehr Substanz dahintersteckt als bloß zeitgeistiges Marketing, muss ich noch beweisen. Ich denke, die Immobilienwirtschaft kann sich von der Digital-Branche ein bißchen was abschauen: Die User Experience ist dort seit jeher integraler Bestandteil und oberstes Kriterium. Für uns Medien gilt das nicht weniger: Den schönen Satz „Immer an den Leser denken“ sollten wir immer präsent haben. Was braucht mein Leser und wer braucht er es? Das muss nicht immer das sein, was ich ihm seit Jahren anbiete.

Zitat mit Autobahn-Logo

"Ich bin der Überzeugung, dass der direkte Austausch und das Diskutieren miteinander, das Austauschen von Meinungen eine besondere Dynamik und Ideen schafft, die anders nie entstehen können."
- Markus Gerharz

Markus Gerharz ist Vorsitzender der Fachjury des immobilienmanager-Award I Foto: Axel Schulten

Textblock #2

 

Sie haben ja neben dem Magazin auch andere Formate, die den Wissens- und Branchenaustausch fördern: Ihre Website, Ihre imfokus-Projekte, den immobilienmanager-Award. Wie wichtig sind Events?

Sie sind sehr wichtig und sie werden es auch bleiben, selbst wenn speziell in unserer Branche das Angebot riesig ist. Ich bin der Überzeugung, dass der direkte Austausch und das Diskutieren miteinander, das Austauschen von Meinungen eine besondere Dynamik und Ideen schafft, die anders nie entstehen können. Mag sein, dass ich eines Tages per Avatar an Events teilnehme und nicht mehr physisch reisen muss – aber der Austausch miteinander bleibt bestehen. Wir sollten meiner Meinung nach vielleicht oft mehr Wert auf die Qualität der Inhalte und auf Eventformate legen. Gelingt es mir, unterschiedliche Gruppen zusammenzubringen, gehen meine Teilnehmer mit neuen Erkenntnissen und Ideen nach Hause? Konnten Sie sich aktiv einbringen? Salopp gesagt ist mir das noch viel zu oft Reihenbestuhlung und Powerpoint-Gewitter.

Was mögen Sie an Ihrem Job am meisten? Was ist für Sie überflüssig?

Ich komme aus einer Bau-Familie, deshalb schlägt mein Herz für Gebäude. Die Immobilienwirtschaft ist eine großartige Branche, die unheimlich vielschichtig ist und von Stadtplanung über Finanzierung bis zu Technologie viele unterschiedliche Themenfelder beinhaltet. Das mag ich persönlich und das ist sicher für jeden Journalisten unglaublich abwechslungsreich. Und überflüssig? Wenn ich mir anschaue, wie viel Zeit ich in meinem neuen Job für administrative Dinge verwenden muss, könnte ich mir hier und da schon etwas Sinnvolleres vorstellen.

Ihre Traumimmobilie? Ihre Albtraumimmobilie (außer Knast)?

Ha, sehr schöne Frage. Bis vor einigen Monaten hätte ich sofort die Gartenlaube genannt, die ich mit meinem Sohn bauen wollte. Aber wir haben das Projekt abgeblasen und uns stattdessen für einen Campingbus entschieden. Reisen statt Rasen mähen sozusagen. Es wäre natürlich traumhaft, mit dem Bus zum eigenen Strandhaus zu fahren, in die Camargue zum Beispiel. Und meine Albtraumimmobilie ist auf jeden Fall mein erstes Studentenzimmer. Unter dem Dach, mit Etagenbad und dem Vermieter-Pärchen nur eine Etage darunter. Definitiv keine gute Mietentscheidung – die sich auf dem Kölner Wohnungsmarkt Ende der 90er aber sicher leichter korrigieren ließ als heute.

| | |

Mehr entdecken

Let’s immotalk: Duisburg hat Platz!

Im „Summer Special“ der Duisburger Talk-Reihe „Let’s immotalk“ ging es um die Potenziale und Chancen der zwei Großflächenentwicklungsprojekte „6-Seen-Wedau“ und „Gelände am ehemaligen Güterbahnhof“. > weiterlesen