Keine Bergkulisse, stattdessen eine wunderbare Aussicht über den Öresund I Foto: Rasmus Hjortshoj

Auf die Piste, fertig, los!

Monika Ewa Kijuk
Monika Ewa Kijuk

Textblock #1

Sind Sie gedanklich in den Alpen? Dann entführen Sie die folgenden Zeilen nun nach Kopenhagen – die Stadt hat nämlich das, was Tirol, Ischgl & Co. auch haben: eine Ski-Piste, entworfen vom Architekturbüro BIG Bjarke Ingels Group. Na gut, nicht ganz so winterlich, nicht ganz so idyllisch. Ohne Schnee. Ohne Berge. Dafür aber auf dem Dach des Müllheizkraftwerks Amager Bakke – mit einem Blick über Dänemarks Hauptstadt. Im Herbst 2019 eröffnete der höchste künstliche Ski-Hügel der Welt unter freiem Himmel und ist damit die höchste Aussichtsplattform der Stadt Kopenhagen.

Textblock #2

Es muss nicht direkt alpin sein. Wenn die Klimabedingungen stimmen, die entsprechende Topografie aber fehlt, dann wird eben weitergedacht: Das Architekturbüro BIG Bjarke Ingels Group entwarf in Zusammenarbeit mit SLA, AKT sowie Lüchinger + Meyer, MOE und Rambøll im Zuge eines internationalen Wettbewerbs im Jahr 2011 das Ganzjahres-Ski-Gebiet CopenHill und legte 2013 den Grundstein. Aus 85 Metern Höhe des Müllheizkraftwerks Amager Bakke rasen Ski-Fans – statt auf Schnee – die verschiedenen Pisten aus Kunststoffmatten hinab.

"CopenHill ist ein unverhohlener architektonischer Ausdruck von etwas, das sonst unsichtbar geblieben wäre: dass es das sauberste Müllheizkraftwerk der Welt ist. Seine Fassade ist kletterbar, sein Dach ist begehbar und seine Hänge sind befahrbar. Ein kristallklares Beispiel für hedonistische Nachhaltigkeit - dass eine nachhaltige Stadt nicht nur besser für die Umwelt, sondern auch angenehmer für das Leben ihrer Bürger ist", erläutert Bjarke Ingels, Gründer und Kreativdirektor bei BIG.

Ski fahren über den Dächern Kopenhagens I Foto: Rasmus Hjortshoj

Textblock #2

 

Ein Wahrzeichen der Stadt

Auf der 41.000 Quadratmeter großen Müllverbrennungsanlage, die Abfall in Wärme und Energie umwandelt und damit mehr als 160.000 Haushalte mit Fernwärme versorgt, ist ein gesamtes städtisches Freizeitzentrum entstanden: Neben Ski-Piste bietet CopenHill für Sportbegeisterte eine Kletterwand sowie einen 490 Meter langen Wander- und Laufweg. Mit dem 10.000 Quadratmeter großen Gründach mit artenreicher Landschaft aus Pflanzen, Bäumen und Büschen gilt die neue Art der Müllverbrennungsanlage als urbanes Ökosystem für die Stadt und orientiert sich an dem Ziel Kopenhagens, bis 2025 erste klimaneutrale Stadt der Welt zu werden.

1,2 Meter hohe und 3,3 Meter breite Aluminiumsteine, die wie riesige, sich überlappende Steine gestapelt sind, bilden die Fassade. Dazwischen flutet Tageslicht durch die Fenster in die Anlage, während größere Öffnungen an der Südwestfassade die Arbeitsplätze in den Verwaltungsgeschossen beleuchten. An der längsten vertikalen Fassade ist die 85 Meter hohe Kletterwand installiert, die Einblick in den 24-Stunden-Betrieb der Fabrik ermöglicht.

CopenHill wird von wirtschaftlicher Infrastruktur der Industriezone ein Stück zur sozialen Infrastruktur und damit ein neues Ziel für Familien, Freunde und Feste. Es ist wirtschaftlich, ökologisch, sozial profitabel und ein neues architektonischen Wahrzeichen der Stadt.

Amager Bakke ist nur drei Kilometer von der Innenstadt entfernt und schon aus der Ferne sichtbar I Foto: Aldo Amoretti

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