Der Eingang des Kruisherenhotels verdeutlicht die architektonischen Kontraste zwischen Vergangenheit und Gegenwart I Foto: Etienne van Sloun

Maastrichter Kirchen: Kreative Umnutzungen für Gotteshäuser

Isabelle Rank
Isabelle Rank

Intro

Maastricht ist in Deutschland oftmals nur für seine Universität bekannt. Dabei hat die älteste Stadt der Niederlande und Hauptstadt der Region Limburg viel mehr zu bieten. Dank der jahrhundertealten Geschichte befinden sich in Maastricht zahlreiche historische Gebäude. Darunter befinden sich auch viele Kirchen. Zu viele, wie die leeren Bankreihen während der Gottesdienste bezeugen. Um den stadtbildprägenden Gebäuden einen neuen Sinn zu geben sind die Stadtoberen von Maastricht teils ungewöhnliche Wege gegangen.

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Schon der Eingang des über 500 Jahre alten Gebäudes lässt erahnen, dass es sich hierbei um keine gewöhnliche Kirche handelt: Wie ein Trichter zieht es Besucher förmlich durch das kupferfarbene Entrée ins Innere der restaurierten Gemäuer. Das 5-Sterne klassifizierte Kruisherenhotel Maastricht liegt im ehemaligen Kruisherenkloster des 15. Jahrhunderts im Zentrum von Maastricht. Zusammen mit der monumentalen gotischen Kirche wurde dieser Gebäudekomplex in ein Designhotel verwandelt. Die Einrichtung ist eine Schöpfung des international renommierten Innenarchitekten Henk Vos in Zusammenarbeit mit internationalen Designern wie Philip Starck, Le Corbusier und Ingo Maurer.

Das Kruisherenrestaurant im Galeriestockwerk | Foto: Etienne van Sloun

Moderne Lichtobjekte, die durch die Luft zu schweben scheinen | Foto: Etienne van Sloun

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Dinner unter gotischen Spitzbögen

Aber nicht nur der Eingang verdeutlicht die architektonischen Kontraste zwischen Vergangenheit und Gegenwart: Das Design des gesamten Hotels spielt mit der Geschichte des Hauses und transportiert diese in die Gegenwart. Im Hauptschiff der Kirche befindet sich das Kruisherenrestaurant. Das geräumige Galleriestockwerk bietet eine atemberaubende Aussicht zum Frühstück, Mittag- und Abendessen. Die Glasmalereien des ehemaligen Kirchenchors und die modernen Lichtobjekte, die durch die Luft zu schweben scheinen, lassen die Räumlichkeiten in einem bezaubernden Licht erstrahlen. Aber sowohl die exklusive Weinbar Rouge & Blanc als auch die luxuriösen Hotelzimmer im Klosterteil – alle Bereiche des Hotels greifen die jahrhundertealte Geschichte auf und verschmelzen dabei mit modernstem Design. Das Zusammenspiel von Geschichte, Design, Musik, Kunst, Gastfreundschaft und Kompetenz vermittelt einen überwältigenden Eindruck, der mit dem Dutch Hotel Award 2017 ausgezeichnet wurde.

Design-Hotelzimmer mit außergewöhnlichen Bleiglasfenstern verbinden Historie und Moderne | Foto: Etienne van Sloun

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Maastricht – die Stadt der umgenutzten Kirchen

Das Kruisherenhotel ist nicht die einzige Kirche in Maastricht, die nach ihrer ursprünglichen Nutzung einen neuen Wirkungskreis erhalten hat: Weitere ehemalige Gotteshäuser dienen mittlerweile als Archiv, Naturkundemuseum, Hörsaal, Hauptsitz der Universität, Probenraum und Modegeschäft. Die beeindruckendste Umnutzung ist ohne Zweifel die Dominikanerkirche im Herzen der Universitätsstadt. Sie beherbergt heute auf mehreren Etagen viele tausend Bücher. Dabei war der Umbau der 700 Jahre alten Kirche eine Herausforderung für die Amsterdamer Architekten Merkx + Girod Architecten. Sie sollten aus den vorhandenen 850 m² Grundfläche mehr als 1200 m² erschaffen – und das mit Blick auf den Denkmalschutz. Ihre Lösung: Ein eigenständiges, mehrstöckiges Bücherregal, das über Treppen und sogar einen Aufzug betreten werden kann. Heute ist der Boekhandel Dominicanen eine der bekanntesten Buchhandlungen der Niederlande.

Im Herzen Maastrichts erhebt sich dieses ehemalige Kreuzherrenkloster aus dem 15. Jhdt. mit seiner eindrucksvollen, gotischen Kirche I Foto: Etienne van Sloun

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Geschlossene Kirchen werden wiederbelebt

Alte Gemäuer bieten unglaubliches Potenzial für kreative Entfaltung. Und davon gibt es in unserem Nachbarland viele. Etwa jede fünfte Kirche wird in den Niederlanden heute nicht mehr für ihren Zweck als Gotteshaus genutzt. Wenn sie nicht abgerissen werden sollen, müssen andere Wege zum Erhalt des Gebäudes gefunden werden. Die leeren Bänke in den Gottesdiensten zeugen nicht davon, dass dieser Abwärtstrend zu stoppen ist. Auch in Deutschland werden immer mehr Kirchen profaniert und einer neuen Bestimmung zugeführt, um dann in neuem Glanz wiederbelebt zu werden.

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