Norbert Herrmanns, Vorstand der Landmarken AG I Foto: Matthias Sandmann, newspot GmbH

„In der Immobilienwirtschaft fehlt Vielen die Ethik“

Miriam Beul
Miriam Beul

Chefredaktion Autobahn-Immomag, Gründerin + Inhaberin der Textschwester Immobilienkommunikation GbR

Intro

Die Immobilienwirtschaft gibt durch das Gebaren einiger Unternehmer ein völlig falsches Bild ab. Das schadet diesem Wirtschaftszweig, der der Leben der Menschen durch seine Projekte und Dienstleistungen entscheidend beeinflusst. Und dem an allen Ecken und Enden Fachkräfte fehlen. Kaufmännische und soziale Rendite sollten kein Widerspruch, sondern die beiden Seiten derselben Medaille sein, findet Norbert Herrmanns, Vorstand der Landmarken AG.

 

Textblock #2

Die Immobilienwirtschaft hat außerhalb der Fachwelt kein gutes Image. Woher kommt das Ihrer Meinung nach?

Es gibt viele Klischees, die über unsere Branche kursieren. Eines davon ist, dass es ihr nur um die Rendite gehe, nicht aber um die Nutzer von Immobilien bzw. die Menschen in den Städten, in denen Projekte entstehen. Leider gibt es tatsächlich Unternehmen, die dieses Klischee bestätigen, indem sie ausschließlich bauen, was sich am Kapitalmarkt teuer verkaufen lässt. Da geht es dann nicht darum, zukunftsfähige Immobilien zu entwickeln, die sich mit guter Architektur und Verwendungsfähigkeit in den Dienst der Gesellschaft stellen, sondern nur um die kurzfristig erzielbare Rendite.

Wenn solche Deals – wie jüngst von meinem Vorstandskollegen Jens Kreiterling kritisiert – auf einer Messe vor den Augen von Oberbürgermeistern und Stadtplanern mondän gefeiert werden, dann verfestigt sich dieses Klischee. Auch die Fokussierung auf den Bau besonders rentabler Luxuswohnungen in den A-Städten, in denen Familien, Studierende und Rentner um immer knapper werdenden bezahlbaren Wohnraum konkurrieren, trägt dazu bei.

Wie könnte sich das ändern?

Als Projektentwickler haben wir uns ganz bewusst zum Ziel gesetzt, gesellschaftliche Mehrwerte mit unseren Projekten zu schaffen. Dazu zählt eine hohe städtebauliche Qualität genauso wie die passende Nutzung für den Standort. In vielen Städten in NRW planen und realisieren wir zurzeit gemischt genutzte Immobilien und Quartiere – auch und gerade mitten in den Innenstädten. Lebendige Städte brauchen diesen Mix, der auch klimafreundlich ist, weil er kurze Wege ermöglicht. Man muss Projekte immer vom Standort aus denken. Also nicht: „Was verkauft sich am besten?“ Sondern: „Was ist an dieser Stelle das Beste für die Stadt?“

Als Projektentwickler wollen wir Partner Städte sein und mit Politik, Verwaltung und Bürgern auf Augenhöhe agieren. Gute Stadtentwicklung mitzugestalten ist nicht nur gut fürs Image, sondern auch eine besonders schöne und erfüllende Aufgabe.

Zitat mit Autobahn-Logo

"Die Leuchttürme unter den Immobilienprojekten werden künftig solche Projekte sein, die bei guter Architektur, Ausstattung und Anbindung bezahlbaren Wohnraum, urbane Lebendigkeit
oder gesunde Arbeitsplätze bieten."
- Norbert Herrmanns, Vorstand der Landmarken AG

Textblock #2

In der Immobilienwelt dreht sich alles um Renditen – damit sind die kaufmännischen gemeint. Wie steht es um die „soziale Rendite“?

Unsere Erfahrung zeigt, dass gesellschaftliche Verantwortung und wirtschaftlicher Erfolg gar nicht im Widerspruch zueinanderstehen: Projekte, die einen gesellschaftlichen Nutzen schaffen, sind oft nachhaltiger und erzielen langfristig eine bessere Rendite.

 

Die ehemalige Kirche St. Elisabeth ist als DIGITAL CHURCH zum Leuchtturm des digitalen Wandels geworden I Foto: Landmarken AG, Matthias Moll

Textblock #2

 

Entwickler, Investoren, Makler, Architekten etc. sind kurzfristige Nutznießer eines neuen Immobilienprojekts – Nutzer und Städte „müssen Jahrzehnte“ mit dem Gebauten leben. Ist dieser Zusammenhang bekannt genug?  

Wir müssen für unser Tun langfristig Verantwortung übernehmen, denn was wir schaffen, bleibt sehr lange im öffentlichen Raum präsent. Es gibt viele verantwortungsvolle Unternehmer in der Branche, die sich, wie wir auch, daran orientieren. Die Leuchttürme unter den Immobilienprojekten werden künftig solche Projekte sein, die bei guter Architektur, Ausstattung und Anbindung bezahlbaren Wohnraum, urbane Lebendigkeit oder gesunde Arbeitsplätze bieten. Projekte, die mit sinnvollen Konzepten auf gesellschaftliche Entwicklungen reagieren können. Angesichts von immer mehr Single-Haushalten in den Großstädten oder neuer Arbeitsformen stellen wir immer wieder den Wunsch nach Vernetzung und Gemeinschaft fest. Wer alleine lebt, freut sich über Wohnkonzepte mit

Gemeinschaftsflächen zum Kennenlernen. Wer zum Beispiel ein Start-up gründet, will nicht in einem isolierten Büro arbeiten, sondern sucht den Austausch mit anderen kreativen Unternehmern. Konzepte für Co-Working, New Work, Work Life Blending und Co-Living beschäftigen uns deshalb schon lange. Hier können wir Einiges bieten, was sowohl den Nutzern als auch den Standorten langfristig nützt.

Welche Rolle spielt Ethik in der Immobilienwelt?

Wir stehen vor großen gesellschaftlichen Herausforderungen. Die Immobilienwirtschaft kann dazu beitragen, ein weiteres Auseinanderdriften unserer Gesellschaft zu verhindern. Zum Beispiel, indem sie Antworten auf den großen Bedarf an bezahlbarem Wohnraum in vielen Städten findet. Weitere Herausforderungen sind Klimaschutz durch nachhaltiges Bauen oder ein sinnvoller Einsatz der Möglichkeiten, die uns die Digitalisierung bietet. Mit Hilfe von künstlicher Intelligenz und digitalen Services können wir Immobilien effizienter, gesünder, nachhaltiger und nutzerfreundlicher machen. Um darin Vorreiter zu werden, haben wir in unserem Unternehmen eine Zukunftswerkstatt und ein Digital Office etabliert.

Als Projektentwickler bekennen wir uns öffentlich zu unserer grundsätzlichen Verpflichtung gegenüber allen Akteuren der Gesellschaft, nicht nur denen des Kapitalmarkts. Aber auch hier gilt: Gesellschaftlich nutzbringende Projekte rechnen sich, denn auch Investoren wie zum Beispiel Immobilienfonds oder Versicherungen setzen zunehmend auf Kaufobjekte, die ethischen Kriterien standhalten.

In Aachen ist im Rahmen des öffentlich geförderten Wohnungsbaus das Quartier "Guter Freund" entstanden, eines der größten Projekte seiner Art in NRW I Foto: Manfred Kistermann

Textblock #2

 

Was muss passieren, damit Immobilienberufe auch für Newcomer und Nachwuchskräfte sympathisch werden?

Es gibt keinen schöneren Beruf als den eines Projektentwicklers. Wir gestalten Lebensräume und Arbeitswelten für Menschen. Wir spüren bei uns zum Glück ein großes Interesse junger, gut ausgebildeter Menschen, unseren Weg, Städte zukunftsfähig zu machen, gemeinsam mit uns zu gehen. Wir können unsere offenen Stellen mit motivierten Immobilienökonomen, Bauingenieuren und Architekten besetzen, weil gerade jüngere Menschen den Anspruch haben, gesellschaftlich nützliche Projekte umzusetzen.

Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter brennen darauf, Stadtentwicklung mitzugestalten und Projekte mit gesellschaftlichem Nutzen zu realisieren. Weil wir stark wachsen, brauchen wir diese Leute und tun viel für sie: Familienfreundlichkeit, Gesundheitsförderung, ausgeprägter Teamgeist, gegenseitiges Vertrauen und sinnstiftende Projekte sind Schlüsselfaktoren. Was wir dafür zurückbekommen, ist die Bereitschaft aller, Verantwortung zu übernehmen und mit großer Leidenschaft Projekte voranzutreiben. Unsere Mitarbeiter bleiben im Schnitt sehr lange bei uns. Es lohnt sich also, sinnvolle Aufgaben anzubieten.

 

 

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