Liebevoll "Telespargel" genannt, der Berliner Fernsehturm I Foto: wal_172619, pixabay

Mein Freund, der Turm

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Es gibt Bauwerke, die wie Menschen geliebt werden. Und mit denen man gerne Geburtstag feiert.

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„Da! Der Fernsehturm! Der hat heute Geburtstag! Der wird 50!“ Meine Tochter ist völlig aus dem Häuschen, als die abendlichen Kindernachrichten über das Jubiläum des DDR-Bauwerks berichten. Die Neunjährige hüpft vor dem Bildschirm herum und kräht: „Mama, schau, da waren wir!“ Stimmt. Der 368-Meter-Koloss war der zweite Höhepunkt unserer ersten gemeinsamen Berlinreise. Und ganz offensichtlich hat seine Besichtigung Spuren hinterlassen. Sein Ehrentag wird nicht weniger bejubelt als der einer Schulfreundin.

Ist das nicht merkwürdig? Beton und Glas bewegen? Rufen Emotionen hervor. Obwohl es keine Party gibt und keine mit Namen versehen Geschenktütchen. Egal, mehr als eine Million Besucher im Jahr – das sind Fakten. Und jeder einzelne hat davon etwas mitgenommen: Ein Andenken, ein kitschiges Foto, eine schöne Erinnerung.

Unübersehbar: Die Markthalle in Rotterdam I Foto: vzoest0, pixabay

 

Am selben Abend versuche ich eine Freundin zu erreichen. Ohne Erfolg. Ihre WhatsApp: „Ich bin mit meinem Mann unterwegs nach Rotterdam. Die Markthal hat Geburtstag, sie wird 5!“ Klar muss man über 200 Kilometer weit fahren, weil eine Immobilie Geburtstag hat... Muss man? Natürlich nicht. Aber man tut es! Man stattet ihr einen Besuch ab zum Geburtstag und freut sich mit vielen anderen Menschen drüber, dass es sie gibt. Weil sie etwas ganz und gar Besonderes ist. Und wenn es einem solchen gebauten Freund mal schlecht geht – wie Notre Dame in Paris nach dem Brand im Dachstuhl -,dann fließen auch schon mal Tränen. Bauwerke mit Geschichte und Strahlkraft, die durch Mut und Visionen entstanden sind, mobilisieren. Sie stiften Identifikation und schaffen dadurch eine Verbindung zu den Menschen, die manchmal geradezu menschlich ist.

 

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