Unter dem Bahnhof von Utrecht ist das größte Fahrradparkhaus der Welt entstanden I Foto: Petra Appelhof

Fahrrad abstellen erlaubt

Monika Ewa Kijuk
Monika Ewa Kijuk

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Die Fahrradständer der Stadt: überladen, besetzt von alten, verrosteten Gestellen, an denen das Rad noch halb dranhängt, wo die Luft sowieso raus ist. Platzverschwendung! Und der Bedarf an Abstellmöglichkeiten für Fahrräder ist enorm.
Jede Menge Platz für Tausende Fahrräder bietet nun Utrecht seinen Radlern. Fahrradfreundlichkeit wird in den Niederlanden bekannterweise großgeschrieben. So ist nicht verwunderlich, dass dort auf über 17.000 Quadratmetern unter dem Hauptbahnhof, Utrecht Centraal, ein unterirdisches Fahrradparkhaus errichtet wurde. Eine clever genutzte Fläche. Der Traum aller Fahrradliebhaber, denen ein sicherer Stellplatz für ihr treues Gefährt wichtig ist.

Vom Bahnhofsplatz hat man Zugang zu den 12.500 Fahrradstellplätzen I Foto: Petra Appelhof

 

Das Team rund um Hector Hoogstad Architecten aus Rotterdam nahm sich der Gestaltung der dreistöckigen Tiefgarage an. In Zusammenarbeit mit Sant&Co und Royal Haskoning DHV erhielten sie den Zuschlag für die Planung des Projekts im Rahmen eines eingeladenen Wettbewerbs im Jahr 2011. Zuvor verband eine modernistische Megastruktur den Bahnhof mit einer der größten Malls der Niederlanden Hoog Catharijne. Um einen ganzheitlich neuen Platz mit neuen Wegen, sowohl für Fußgänger als auch für Radfahrer zu schaffen, wurde das alte Gebäude um Utrecht Centraal aufgerissen. Nun findet sich unter einer riesigen ikonischen Überdachung eine Fußgängerzone, die zu den Eingängen des Bahnhofs, des Einkaufszentrums sowie des Parkhauses führt. Rund wie die Räder sind die Fensterausrahmungen in der Überdachung, die das Tageslicht auf dem Boden des Bahnhofvorplatzes widerspiegeln. Die Einfahrtwege sind so angelegt, dass sie die Fußwege zum Fahrradstellplatz nicht behindern. Ohne vom Sattel steigen zu müssen, führt ein Leitsystem den Radler über markierte Fahrtwege direkt in die Garage. Nummerierte Plätze erleichtern nicht nur die Fahrtwege innerhalb des Parkhauses, sondern helfen auch, seinen Abstellplatz wiederzufinden. Durch Treppenhäuser gelangt man zum erhöhten Platz, dem Bahnhofsvorplatz sowie den Plattformen. Das Parkhaus beinhaltet sogar eine Fahrradwerkstatt sowie einen Radverleih. Wer glaubt, die Garage sei nun überteuert, der irrt – bis zu 24 Stunden kann das Rad kostenfrei abgestellt werden. Erst danach wird eine Tagesgebühr von 1,25 Euro berechnet.

 

Ein Leitsystem führ den Fahrradfahrer durch die Garage I Foto: Petra Appelhof

 

Im Hinblick auf Umweltfreundlichkeit, steigt auch die Zahl der Radfahrer in Deutschland – ein echter Fahrrad-Boom. Die moderne Vorstellung einer fahrradfreundlichen Stadt basiert in erster Linie auf möglichst vielen und gut ausgebauten Radwegen. Die Lust, sich innerorts mit dem Rad zu bewegen, kommt sicherlich nicht nur durch die überteuerten Parkgebühren. Das Fahrrad ist nicht mehr nur Fortbewegungsmittel, sondern ein Trendsymbol, ein Lifestyle-Element. Die gesunde Lebensweise unterstützt nicht nur das brandaktuelle Topthema rund um den Umweltschutz, sondern schont auch den Geldbeutel. Dass die Deutschen häufiger auf ihr Velo steigen, bestätigen Zahlen von Statista: der Fahrradbestand in Deutschland hat seit 2007 um acht Millionen zugenommen. Im Jahr 2018 lag der Bestand bei 75,5 Millionen. Davon dürften wohl die meisten Räder durch die Fahrradstädte Münster und Freiburg rollen.

Na gut, die Holländer sind uns in Sachen Fahrrad trotzdem weit voraus – und mit der Errichtung der Tiefgarage erst recht. Bleibt abzuwarten, wann Deutschland nachzieht. Zumindest Freiburg und Münster würden sich freuen, wenn das Fahrradchaos in ein praktisches Abstellsystem umgewandelt werden würde.

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