Dr. Stefan Schulte, Geschäftsführer, Head of Marketing & Data Science bei der PlanetHome Group | Foto: PlanetHome

Makler wird es immer geben – Im Interview mit Dr. Stefan Schulte

Elena Bock
Elena Bock

Intro

Makler arbeiten weltweit an der Digitalisierung und Eventisierung ihrer Services. Die deutschen Vermittler auch, tun sich aber besonders schwer. Woran liegt das? Wie sieht der Immobilienkauf /-verkauf in 20 Jahren aus? Antworten darauf hat Dr. Stefan Schulte, Geschäftsführer, Head of Marketing & Data Science bei der PlanetHome Group.   

FAQ

In der Konsumgüter-Industrie dreht sich heute alles um die „custumer journey“, die Frage, wie Kunden in den verschiedenen Phasen des Kaufprozesses optimal begleitet werden. Das teuerste, was sich Menschen in ihrem Leben anschaffen, sind Immobilien. Wie ist es heute um die „Kundenreise“ in der Immobilienwelt bestellt?

Die Customer Journey ist heute immer noch sehr maklergetrieben, das heißt, abhängig von der Qualität des einzelnen Maklers. Das bedeutet, dass alle damit zusammenhängenden Schritte der Customer Journey wie etwa die Kontaktaufnahme, Exposes etc. sehr stark in ihrer Qualität variieren. Beim Kunden erzeugt dies häufig den Eindruck, dass Preis und Leistung nicht zusammenpassen. Hinzu kommt der häufig fehlende Beratungscharakter, der dem materiellen und emotionalen Wert der Immobilie, die häufig die teuerste Anschaffung im Leben eines Menschen ist, nicht Rechnung trägt.

Ist die Kundenreise für Immobilienkäufer denn heute schon „digital“ genug? Wie sieht eine optimale Multi-Channel-Strategie aus?

Die heute Customer Journey ist sicher nicht digital genug, die Immobilienbranche steht gerade erst am Anfang ihrer Reise in die Digitalisierung. Wir bei PlanetHome haben in den letzten 12 Monaten hohe Investitionen in die Digitalisierung unserer Kundenbeziehung unternommen, mit myplanet beispielsweise eine eigene Plattform geschaffen auf der Suchkunden, Eigentümer und Verkäufer passende Angebote speziell für ihre jeweilige Situation finden können. Dies stellt für uns einen wesentlichen Schritt in Richtung digitaler Kundenbeziehung und Multi Channel Strategie dar. Der Makler wird eine zentrale Säule dieser Kundenbeziehung bleiben. Der Kunde wird sich aber in Zukunft den Kanal wählen können, über den er mit seinem Makler kommuniziert. Dadurch werden die Prozesse wesentlich vereinfacht.

Zitat mit Autobahn-Logo

"Der Makler wird eine zentrale Säule der Kundenbeziehung bleiben. Der Kunde wird sich aber in Zukunft den Kanal wählen können, über den er mit seinem Makler kommuniziert."
- Dr. Stephan Schulte, Geschäftsführer, Head of Marketing & Data Science bei der PlanetHome Group

FAQ

In einigen Ländern wie etwa Großbritannien werden private und gewerbliche Immobilienkäufe komplett digital abgewickelt. Wann ist es bei uns auch soweit?

In deutschen Recht gibt es die Besonderheit des Abstraktionsprinzips, das heißt, Kaufvertrag und Verfügung über das Eigentum sind zwei unterschiedliche Rechtsvorgänge, die beide notariell beurkundet werden müssen. Dies macht eine rein digitale Abwicklung in Deutschland auf absehbare Zeit unmöglich. Dennoch kann man den Prozess des Suchens, Findens und Besichtigens deutlich stärker digitalisieren. Dazu müssen aber speziell auch die infrastrukturellen Voraussetzungen geschaffen werden, denn solange es in ländlichen Gebieten keine Breitbandanschlüsse gibt, wird eine virtuelle Besichtigung, eine 360°Rundgang, so wie wir ihn beispielsweise anbieten, nicht möglich sein.

Wozu braucht man noch Makler? Wie sieht der Immobilienkauf oder Verkauf in 20 Jahren aus?

Es wird immer Makler geben und auch heutige sogenannte „digitale Geschäftsmodelle“ kommen ohne den persönlichen Kontakt im Laufe der Customer Journey nicht aus. Was sich verändern wird, sind die Aufgaben des Maklers. Es wird weniger um das Präsentieren der Objekte gehen, sondern mehr um den Prozess des Verkaufens. Makler werden stärker als vorher digitale Medien nutzen und nutzen müssen, um mit ihren Kunden zu sprechen, Termine und Themen zu organisieren und echte Mehrwerte zu bieten. Durch die zunehmende Transparenz auf der Datenseite geht das ‚Hoheitswissen‘ verloren. Dafür steigt der Bedarf, in Lösungen zu denken.

 

Vielen Dank für das Interview!

 

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