Die Innere Hafenbrücke in Kopenhagen: Erst Skandal, inzwischen beliebtes Wahrzeichen | Foto: Anna Flores

Textschwester-Sommer-Special: Mobil in… KOPENHAGEN

Miriam Beul
Miriam Beul

Chefredaktion Autobahn-Immomag, Gründerin + Inhaberin der Textschwester Immobilienkommunikation GbR

Textblock #1

Die Innere Hafenbrücke in Kopenhagen: der dänische Catwalk für autofreie Mobilität

Sie ist ein bisschen ein Symbol für das, was man ein städtebauliches Prestigeobjekt nennt, die Innere Hafenbrücke in Kopenhagen. Im Sommer 2016 wurde das skandalträchtige Verbindungsstück zwischen der quirligen Hafenmeile Nyhavn und dem Stadtviertel Christianshavn eröffnet. Skandal, weil die verantwortliche Baufirma vor Fertigstellung Pleite ging und die Sonne zu allem Überfluss die beweglichen Brückenteile verbog, so dass der Verbindungsmechanismus nicht funktionierte. Das stellte sich aber erst kurz vor der Einweihung heraus. „Die beiden Teile passten nicht zusammen, das muss man sich mal vorstellen! Für die Kopenhagener ist die Brücke so etwas wie der neue Hauptstadtflughafen für die Berliner. Eine total peinliche Sache“, berichtet ein einheimischer Hafenbesucher, ein grimmiger Däne, der aus seiner Verachtung für die Vorkommnisse kein Hehl macht. Für deutsche Ohren klingt das reichlich übertrieben. Zumal man das gebaute und funktionstüchtige Happy End heute in aller Schönheit bewundern kann.

Kopenhagen: Leben am Wasser | Foto: Anna Flores

Kopenhagen: Leben am Wasser | Foto: Anna Flores

Nordischer Charme und bunte Häuserzeilen am Nyhavn | Foto: Anna Flores

Nordischer Charme und bunte Häuserzeilen am Nyhavn | Foto: Anna Flores

Textblock #2

Hummer hier, Veggi-Burger dort

Das ausschließlich Fußgängern und Radfahrern vorbehaltene Bauwerk ist das architektonische Highlight aller Hafenbesucher, eine Art Catwalk für moderne Formen der urbanen Mobilität – denn hier fährt nichts mit Sprit (für Maschinen). Vor allem Nachtschwärmer bevölkern die 180 Meter lange Überquerung, verbindet sie doch die Hafenbars und edlen Restaurants am Nyhavn mit dem alternativen Streetfood-Markt auf dem ehemaligen Werftgelände Refshaleøen.

 

Zitat mit Autobahn-Logo

"Für die Kopenhagener ist die Brücke so etwas wie der neue Hauptstadtflughafen für die Berliner."

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Hummer auf der einen Seite, Veggi-Burger auf der anderen. Nirgendwo ist Kopenhagen bunter und mobiler als hier. 25.000 Fahrzeuge pro Tag (!) queren auf diese Weise den Inneren Hafen.  Auf dem höchsten Punkt der Brücke, in einer Haltebucht, bietet ein mobiler Fischhändler aus einer Kühlbox Austern to go an. Wahnsinn!

Zahlreiche Brücken prägen das Kopenhagener Stadtbild | Foto: Anna Flores

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In kluger Voraussicht haben die Brückenplaner Fußgänger- und Radspur getrennt voneinander angelegt und damit bewusst Raum geschaffen für eine Zweigeschwindigkeitsgesellschaft. Die Kunst besteht daher darin, sich schnell genug einzufädeln in den rasenden Strom der Radler, E-Biker, Skater und E-Scooter.
Kopenhagen will in ein paar Jahren autofrei sein und macht Einheimischen und Touristen das Radfahren wo immer es geht schmackhaft: durch das vorbildlich ausgebaute Streckennetz sowie Leihstationen an jeder Ecke. Selbst viele Hotels haben eigene Fahrradflotten vor dem Haus stehen. Mit 130 Kronen – rund 17 Euro - am Tag ist man dabei. Doch wer mitmischen will, darf nicht bummeln und sollte das Handy beim Fahren in der Tasche lassen.

In Kopenhagen fährt man Rad! | Foto: Anna Flores

Auch auf der Inneren Hafenbrücke herrscht reger Verkehr | Foto: Anna Flores

Zitat mit Autobahn-Logo

„Die Dänen rasen wie irre, aber die Unfälle bauen die Touristen.“

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Fünfmal mehr Räder als Autos

„Die Dänen rasen wie irre, aber die Unfälle bauen die Touristen“, behauptet der einheimische Hafenbesucher. Das mag an der Radfahrtradition in dem 5,7-Millionen-Einwohenland liegen: Neun von zehn Dänen haben ein Rad und 2014 kamen „nur“ 33 Radfahrer ums Leben. Erstaunlich ist, dass die Stadtverwaltung von Kopenhagen auch viele Pendler überreden konnte, vom Auto auf den Drahtesel umzusteigen: Heute gibt es in der Stadt fünfmal mehr Fahrräder als Autos. Rund 25 Prozent der Familien mit zwei Kindern nutzt ein Lastenrad. Alle Kopenhagener zusammen radeln täglich 1,4 Millionen Kilometer mit dem Rad und nur 14 Prozent fahren täglich Auto. Deutsche Städte sind von solchen Zahlen noch weit entfernt.

Egal wohin man blickt, Fahrräder prägen das Straßengeschehen (hier im Stadtteil Christianhavn) | Foto: Anna Flores

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