autobahn im Interview mit Markus Kratz, Geschäftsführer bei kplus konzept | Foto: kplus konzept

Mehr Traffic auf die Fläche

Miriam Beul
Miriam Beul

Chefredaktion Autobahn-Immomag, Gründerin + Inhaberin der Textschwester Immobilienkommunikation GbR

Textblock #1

Bis zu 200.00 Läden sterben in den nächsten zehn Jahren – allein in NRW. In ganz Deutschland werden es bis zu 50.000 Geschäfte sein.  Die Schätzungen des Instituts für Handelsforschung malen ein düsteres Bild für den stationären Handel. Vor allem Klein- und Mittelstädte müssten sich neu erfinden, sagen die Wissenschaftler. Mehr Erlebnis, mehr Nutzungsmischungen lauten ihre Empfehlungen. Markus Kratz, Geschäftsführer von kplus konzept, erklärt, wie zukunftsorientierte Raumszenarien Handelsflächen attraktiver machen. Mehr traffic auf der Fläche – genau das ist sein Metier.

Textblock #2

Miriam Beul: Dem stationären Handel laufen die Kunden weg, verschwinden ins Internet. Was können Händler tun, um den Trend umzukehren? Was könnten sie besser machen?

Markus Kratz: Umkehren – das ist schon der falsche begriffliche Ansatz für das, was passieren muss. Es wird keine „Umkehr“ und kein „zurück“ zu früheren Verhältnissen geben. Die Welt lässt sich nicht zurückdrehen, die digitalen Aspekte verschwinden nicht wieder aus unserem Leben, und die Shopping-Gewohnheiten und Verhaltensmuster haben sich in den letzten Jahren rapide verändert und werden das weiter tun. Wenn wir diese radikal anderen Rahmenbedingungen konsequent nach vorne denken, ergeben sich vollkommen neue, frische Denkansätze und Shopping-Szenarien.

Miriam Beul: Wie weit greifen diese neuen Denkansätze?

Markus Kratz: Unsere Immobilien für die Kunden ein bisschen aufzuhübschen, das wird in vielen Fällen einfach nicht ausreichen. Wer konsequent aus Kundensicht denkt und die ‚Customer Journey‘ nicht nur als Buzzword in die Diskussionen wirft, sondern wirklich ernsthaft seiner Planung zugrunde legt, wird zu ganz neuen Einsichten darüber gelangen, wie zeitgemäße hybride Shopping- und Lebenswelten aussehen, die von modernen Menschen gemocht werden.

Miriam Beul: Was konkret lockt den Menschen hinterm Laptop hervor?

Markus Kratz: Orte, die die zeitgemäßen Needs beantworten. Hier geht es natürlich um den vielzitierten Third Place – wieder so ein Schlagwort –, also den Ort, an dem man sich gern aufhält. Der impliziert schon, dass „Handel“ nicht mehr solo gedacht werden kann, sondern immer in Kombination mit den Lebensbereichen, die auch der Mensch und Kunde damit verbindet.

 

Zitat mit Autobahn-Logo

„ Es wird keine „Umkehr“ und kein „Zurück“ zu früheren Verhältnissen geben.“
- Markus Kratz, Geschäftsführer, kplus konzept

Textblock #2

Miriam Beul: Um welche Aspekte und Lebensbereiche geht es?

Markus Kratz: Um alle, die außerhalb der eigenen vier Wände liegen. Dazu gehört also die Unterhaltung, das Socializing, der Service-, Dienstleistungs- und Gesundheitsbereich. Unverzichtbar sind heute Komfort und Convenience, alles muss bequem und einfach sein, Nachhaltigkeit spielt auf vielen Ebenen mit, die Sortimente müssen die schnelle, unkomplizierte Versorgung gewährleisten, und zwar mit den Produkten, die der Kunde auch will, und nicht mit denen, die 20 Jahre lang gute Seller im Regal waren.

Miriam Beul: Wie könnt Ihr von kplus konzept unterstützen?

Markus Kratz: Wir stehen als Sparringspartner, als Vordenker, Stichwort- und Ideengeber zur Verfügung. Wir entwerfen nicht nur zukunftsorientierte Raumszenarien, die individuell auf Bedarf und Lokalität abgestimmt sind, wir setzen sie auch um.

Miriam Beul: Was hebt Euch von anderen Design-Studios ab?

Markus Kratz: Unser gemischtes Team aller möglichen Disziplinen erlaubt uns, Projekte interdisziplinär und vielschichtig „von allen Seiten“ zu denken und zu planen. Seit vielen Jahren und in unzähligen Projekten hat sich unsere flexible Methodik und Expertise bewiesen, so dass wir inzwischen nicht mehr nur Mall-Betreiber, Marken und Retail-Filialisten zu unseren Kunden zählen, sondern auch Arztpraxen, Parkhäuser, Food-Konzepte und Workplaces, also zeitgemäße, agile Arbeitswelten. Denn die neuen Lebensweisen machen sich in allen Raumszenarien und Betriebsformen bemerkbar.

 Miriam Beul: Welchen Flächen ist nicht mehr zu helfen? 

Markus Kratz: Pauschal lässt sich das kaum sagen... Eindeutig aber ist, dass meistens nicht die Flächen selber schuld daran sind, wenn sie nicht mehr funktionieren, sondern ihre Betreiber. Weil sie, nun ja, weil sie eben oft den Schuss noch nicht gehört haben – siehe eingangs…

 

 

| | | | | | | | | |

Mehr entdecken

Changi Airport Singpur – Eine tropische Oase an Terminal 3

Singapur - ein Reiseziel, das tropische Naturschauspiele mit futuristischer Architektur und der Lebendigkeit einer modernen Business-Metropole verbindet. Das Großprojekt „Jewel“ im Changi Airport ermöglicht Reisenden seit diesem Jahr einen einmaligen Einblick in den besonderen Charakter des singapurischen Stadtbilds - und das noch bevor man den Flughafen überhaupt verlassen hat! > weiterlesen

Laurent Lacour, Managing Partner hauser lacour kommunikationsgestaltung GmbH

Wie aus Gebäuden Marken werden

Der Markenwert eines Immobilienunternehmens oder -produktes ist messbar und schafft mittel- und langfristig merkantilen Mehrwert, sagt Laurent Lacour. Der Designprofessor ist Managing Partner bei der Frankfurter Designagentur hauser lacour kommunikationsgestaltung GmbH und an der Peter Behrens School of Art am Fachbereich Design verantwortlich für die Studienbereiche Corporate Identity und Corporate Design. Er sagt: Ohne Markenkommunikation können Steine nicht zu Ikonen werden. > weiterlesen