Food-Courts als Schlüssel zur Neupositionierung I Foto: Dieter de Vroomen / unsplash

Shopping-Lust statt Brexit-Frust

Stefanie Walker-Behrens
Stefanie Walker-Behrens

Europapolitisch torkelt das Vereinigte Königreich aktuell durch die Nachrichten. Kein wirkliches Vorbild.  Anders sieht es bei der Repositionierung von Shopping-Centern aus. Hier hat UK schon längst einen Trend erkannt, der nun auch in Deutschland angekommen ist: Food-Courts als Schlüssel zur Neupositionierung. Eine aktuelle Studie der Catella Research hat die Situation in UK und Deutschland verglichen und analysiert.

Der Onlinehandel wächst, die Kunden werden anspruchsvoller und das Einkaufen soll immer mehr zu einem Erlebnis werden. Diese Trends stellen Einkaufscenter in ganz Europa vor eine große Herausforderung. Wurden Shopping-Center früher aus Bedarfsgründen gebaut, wird inzwischen mehr Wert auf Atmosphäre und Aufenthaltsqualität gelegt. Und da ist eine traditionelle Ausrichtung des Angebotes auf klassische Konsumgüter wie Mode, Schuhe oder Elektrogeräte nicht mehr ausreichend. Eine Studie von Catella Research zeigt, dass das Thema Food & Beverage (F&B) bei dieser Neupositionierung von Bedeutung ist und eine Lösung für die aktuelle Krise darstellt.

Eine neue Generation von Shopping-Centern

Dr. Thomas Beyerle, Head of Group Research bei Catella erläutert: „Die neue Generation von Shopping-Centern unterscheidet sich fundamental von ihren Vorgängern. Heute geht es vielmehr um das Erleben vor Ort, um Komfort und um die Qualität der in den Centern verbrachten Zeit. Das gastronomische Angebot spielt dabei eine zentrale Rolle.“

Die Erkenntnisse von Catella Research zeigen, dass genau diese Entwicklung in UK und Deutschland zu erkennen ist, allerdings in unterschiedlichem Ausmaß und Geschwindigkeit.

So wurden und werden seit 2006 bereits 29 der 43 größten Shopping-Center in UK, mit einer Fläche von mehr als 70.000 m2 einem umfangreichen Refurbishment mit dem klaren Fokus auf dem Ausbau des Bereichs „Food & Beverage“ unterzogen. Bei den sieben, in diesem Zeitraum neu entstandenen Objekten wurde das gastronomische Angebot von Beginn an integriert. Anders zeigt sich die Situation auf dem deutschen Markt. Zwar wird auch hier auf das Konzept der Integration gastronomischer Angebote als zukunftssichernde Maßnahme für die Einkaufsstandorte gesetzt, doch scheint die bauliche Umgestaltung langsamer voranzuschreiten. Lediglich eins von 19 Einkaufcentern mit einer Gesamtfläche von mehr als 70.000 m2 plant eine Erweiterung des Bereichs F&B. Bei den kleineren Objekten sollen insgesamt 14 Center bis 2022 mit einem entsprechenden Angebot ausgestattet werden.

Ein weiterer Unterschied in der Entwicklung der beiden Länder zeigt sich auch im Angebot der Gastronomie. In UK sind F&B-Ketten von großer Bedeutung für die Revitalisierung von Einkaufszentren, in Deutschland dagegen leiden Anbieter von Systemgastronomie unter einem eher negativen Image. Hier sind neue Namen und Konzepte elementar für eine Repositionierung der Center.

„Früher nahmen Einkaufscenter eine zentrale Rolle im Einzelhandel ein. Jetzt fungieren sie als Einzelhandels- und Freizeitzentren,“ so Beyerle. Er nennt die Transformation von Einkaufszentren als gutes Beispiel für die Neupositionierung von Immobilien aus einem früheren Konjunkturzyklus.

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