Ist das Building Information Modeling die Zukunft des Bauwesens? | Foto: Gerd Altmann

Building Information Modeling: Digitaler Zwilling hilft beim Sparen

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Building Information Modeling soll das Bauwesen revolutionieren: Vor Beginn des realen Bauprozesses wird ein digitales 3D-Modell erstellt. Das soll Fehler und Kosten minimieren. Noch fehlt es hierzulande allerdings an einheitlichen Standards.

Bei der Verwirklichung der zweiten Gauchachtalbrücke bei Döggingen im Schwarzwald geht das baden-württembergische Verkehrsministerium neue Wege: Das 25-Millionen-Euro-Projekt werde komplett digital mittels „Building Information Modeling“ – kurz: BIM – geplant, teilte das Ministerium mit. Dadurch werde der kontinuierliche Austausch von Informationen unter allen Beteiligten ermöglicht. So sollen Planungsfehler schneller entdeckt oder am besten gleich ganz vermieden werden.

Mit BIM hat die Digitalisierung auch im Bauwesen Einzug erhalten. Durch dieses Verfahren ein Gebäude quasi zweimal errichtet – zunächst virtuell und anschließend physisch. „Building Information Modeling basiert auf einem 3D-Modell und ist ein intelligenter Prozess, der allen Beteiligten eines Bauprojektes – vom Architekten über das Bauunternehmen, bis zum Eigentümer und späteren Dienstleistern – Informationen und Werkzeuge bereitstellt, die sie für eine effiziente Planung, Entwurf, Konstruktion und Verwaltung des Gebäudes benötigen“, erklärt Peter Liebsch, Leiter Digitale Werkzeuge beim Immobilienberatungsunternehmen Drees & Sommer. „Gegenüber herkömmlichen IT-Modellen nutzt BIM deutlich mehr Informationen und schafft eine synchronisierte Datenbasis, auf die alle am Bau Beteiligten zugreifen.“

Mitunter wird BIM auch als fünfdimensionale Planung bezeichnet, denn zusätzlich zum dreidimensionalen Modell werden auch die Faktoren Kosten und Zeit miteinbezogen. Mengen, Materialkosten und auch Zeitabläufe berechnet das Computersystem automatisch. Auf diese Weise wird den Planern sehr viel Rechnerei erspart – das minimiert nicht zuletzt auch das Fehlerpotenzial.

Zitat mit Autobahn-Logo

„Angesichts der gestiegenen Anforderungen bei Bauprojekten entwickelt sich BIM zum unverzichtbaren Bestandteil erfolgreicher Projektumsetzung im Digitalzeitalter."
- Andreas Spathelf, Geschäftsführer der THOST Projektmanagement GmbH

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Der reale Bauprozess beginnt erst dann, wenn das virtuelle Gebäude alle Erwartungen und Spezifikationen erfüllt. Dieses Vorgehen spart einerseits Zeit und Geld – und verbessert andererseits die Qualität der Arbeitsleistung. Das Bundesverkehrsministerium will das digitale Planungssysteme ab 2020 für alle öffentlichen Bauprojekte einsetzen. Einen nationalen BIM-Standard gibt es allerdings noch nicht – und ohne einen solchen Standard mangelt es auch an einer organisierten, zertifizierten Ausbildung. Bislang gibt es nur wenige Anbieter wie etwa den TÜV Süd, die eine Aus- oder Weiterbildung in Building Information Modeling anbieten.

„Building Information Modeling gelingt, wenn die richtigen Informationen zur richtigen Zeit vorliegen“, erklärt Drees & Sommer-Experte Liebsch. „Das gilt bereits für den Ausschreibungsprozess, wenn ein Bauherr seine Anforderungen formuliert.“ Die grundsätzlichen Abläufe beim Planen und Bauen bleiben aber in den meisten Bereichen gleich. Auch von seiner Gewährleistungspflicht wird durch BIM niemand entbunden. „Die Neuerungen betreffen die Art und Weise, wie die Beteiligten zusammenarbeiten“, so Liebsch. Fatale Planungsfehler wie es sie zuletzt bei Großprojekten wie der Hamburger Elbphilharmonie oder dem Berliner Flughafen gab, lassen sich damit leichter vermeiden.

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