"Project Milestone": Futuristsiche Wohnbauten aus dem 3D-Drucker | Foto: Houben /Van Mierlo architecten

(H)ausgedruckt: Ein Stadtteil aus dem 3D-Drucker

Elena Bock

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Die Einsatzgebiete des 3D-Druckers sind vielfältig. Heutzutage ersetzt das moderne Verfahren bereits in vielen Industriezweigen die herkömmlichen Produktionsschritte. Auch im Bauwesen zeichnen sich nun erste Anwendungsfelder ab: In den Niederlanden entstehen bald die ersten Wohnhäuser aus dem 3D-Drucker.

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Project Milestone“ so lautet der Name der ersten 3D-Drucker-Siedlung im niederländischen Eindhoven. Der Name ist hier Programm: Mit einer neuen Technologie, die nun neben Kunsttoff auch den Druck mit Zement ermöglicht, markiert das Projekt im wahrsten Sinne des Wortes einen Meilenstein der Baubranche. Die Technische Universität Eindhoven kann hierbei als die Wiege des Beton-3D-Druckes verstanden werden. Hier arbeitet eine Forschungsgruppe bereits seit 2015 kontinuierlich an neuen mathematischen Formeln und Optimierungsverfahren. Diese ermöglichten letztendlich die Entwicklung eines riesigen 3D-Betondruckers in den Universitätsräumen.  Beim Druck wird hierbei lagenförmig Zement aufgeschichtet und feine Betonstrukturen in verschiedenen Farben und Qualitäten geschaffen. So können in den Druckteilen unterschiedlichste Funktionen integriert werden. Das Ergebnis bilden unkonventionelle Steinformen, die den gedruckten 3D-Bauprojekten ein futuristisches Aussehen verleihen. Zu den ersten umgesetzten Projekten zählt eine Fußgänger- und Fahrradbrücke im niederländischen Gemert – und zwar komplett aus dem 3D-Drucker!

In Meerhoven steht bald die erste Wohnsiedlung aus dem 3D-Drucker | Foto: Houben /Van Mierlo architecten

Die TU Eindhoven entwickelte das neue Beton-Druckverfahren | Foto: Houben /Van Mierlo architecten

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Mit ihren abgerundeten Ecken und bauchigen Außenwänden erinnern auch die fünf Wohnhäuser des Project Milestone an futuristische Felsbrocken. Fast künstlerisch sind sie zu einer Art Skulpturengarten arrangiert. Die ersten Entwürfe des Wohnprojekts der Houben/Van Mierlo architects verdeutlichen den besonderen Charakter der entstehenden Siedlung. Wenig überraschend: Bereits eine Woche nach der Veröffentlichung des Bildmaterials gab es schon über 20 Interessenten für das erste der fünf Wohnhäuser. Zum Zeitpunkt der Fertigstellung werden fünf Jahre vergangen sein. Jedes Jahr soll in Eindhoven   ein neues Wohnhaus aus dem Drucker wachsen, mit jedem Jahr sammelt sich mehr Wissen rund um das Druckverfahren. Im Juli 2019 sollen die ersten Wohnungen bezugsfertig sein.

Ursprünglich aus der Not eines Maurermangel heraus entstanden, entpuppt sich das Projekt rund um das gedruckte Haus als ein Geniestreich der Stadt Eindhoven und der involvierten Projektpartner. Auch die Argumente im Hinblick auf Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein unterstreichen den Innovationscharakter des Project Milestone: Bei Häusern aus dem 3D-Drucker werden durch das neue Verfahren bedeutend weniger Rohstoffe benötigt. Das lässt letztendlich auch die Höhe der CO2-Emissionen bei der Zementherstellung sinken.

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Schneller, ressourcenschonend, innovativ – das Bauwesen steht im Begriff, von einer Forschungsgruppe der TU Eindhoven revolutioniert zu werden. Bald soll der riesige 3D-Drucker aus den Räumen der Universität direkt auf die Baustelle umgesiedelt werden. Dann können die Druckteile sogar direkt vor Ort produziert werden.  Die schnellen Fortschritte stimmen die Entwickler zuversichtlich: „Es ist durchaus vorstellbar, dass in naher Zukunft die Mieter selbst bereits von Anfang an in den Druckprozesses involviert werden und so eigene Wünsche und Vorstellungen schon vor Baubeginn eingebracht werden können!“, so Rudy van Gurp von der Baufirma Van Wijnen.

Eine Druckvorlage für das persönliche Traumhaus, bitte!

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