Europas größte Auszeichnung für ökologisches und soziales Engagement: Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis | Foto: DNP

Deutscher Nachhaltigkeitspreis – Echte Nachhaltigkeit muss enkeltauglich sein

Julia Hake
Julia Hake

Redakteurin

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Das Freiburger Rathaus, ein Projekt von ingenhoven architekten und Drees & Sommer als Generalfachplaner, gewinnt als erstes öffentliches Netto-Plusenergiegebäude den Deutschen Nachhaltigkeitspreis in der Kategorie "Nachhaltiges Bauen". Stellvertretend für den Immobilienberater nahm Prof. Dr.- Ing. Michael Bauer als Partner der Drees & Sommer SE den Preis gemeinsam mit den Bauherren und Architekten in Düsseldorf in Empfang.

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Wer sich noch vor einigen Jahren für fair und nachhaltig produzierte Produkte interessiert hat, war schnell als „Öko“ verschrien. Mittlerweile ist Nachhaltigkeit im Trend und Influencer überbieten sich auf den einschlägigen Plattformen, wer minimalistischer und nachhaltiger lebt. Und die zahlreichen Follower machen mit. Dabei geht es längst nicht mehr nur um Lebensmittel, Bekleidung und Kosmetik. Nachhaltigkeit ist inzwischen ein branchenübergreifendes Thema wie der Deutsche Nachhaltigkeitspreis mit seinen zahlreichen Kategorien unter Beweis stellt. Hier sind Nachhaltigkeitspioniere aus Wirtschaft, Forschung, Kommune und Architektur gleichermaßen vertreten. Am 7. Dezember 2018 wurde der Preis in diesem Jahr bereits zum elften Mal durch die gleichnamige Stiftung gemeinsam mit der Bundesregierung und weiteren Partnern vergeben. Zu den Preisträgern zählt neben der Stadt Münster als „Nachhaltigste Großstadt“, dem Berliner Impact Startup SIRPLUS und der Symrise AG in der Kategorie „Nachhaltigste Großunternehmen“ auch das Freiburger Rathaus von ingenhoven architekten  mit Immobilienberater Drees & Sommer. Den Ehrenpreis für soziales und ökologisches Engagement erhielten Schauspieler Richard Gere, die westafrikanische Sängerin Angélique Kidjo und der irische Musiker Rea Garvey.

Moderator der Gala ZDF-Wissenschaftsjournalist Stefan Schulze-Hausmann (links im Bild) mit Bundesministerin Katarina Barley | Foto: Christian Köster

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Auch die Branche, die 58 Prozent des gesamten weltweiten Abfallaufkommens und knapp die Hälfte des Energieverbrauchs verantwortet, ist inzwischen auf den Nachhaltigkeits-Zug aufgesprungen: Die Bau- und Immobilienindustrie. Der Nachhaltigkeitspreis ehrt deshalb in der Kategorie „Bauen“ regelmäßig zukunftsweisende Projekte, die Vorbildcharakter haben hinsichtlich ökologischer und architektonischer Standards. Ausgewählt hat die diesjährigen Finalisten ein Gremium der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB e.V.). „Auch in diesem Jahr ist es uns gelungen, drei Architekturprojekte zu finden, die auf herausragende Art die Themen Nachhaltigkeit, gestalterische Qualität und Innovation zusammenbringen“, so Martin Haas, DGNB Vizepräsident und Vorsitzender der DGNB Jury, über die Finalisten.

Eines dieser Projekte ist das neue Freiburger Rathaus, das von ingenhoven architekten zusammen mit Drees & Sommer als Generalfachplaner konzipiert wurde und als Sieger aus dem diesjährigen Wettbewerb hervor ging. Die Besonderheit des Gebäudes: Es ist das erste öffentliche Netto-Plusenergiegebäude der Welt. Das bedeutet, dass das Rathaus im Jahresdurchschnitt mehr Energie erzeugt, als es selbst verbraucht. Die übrige Energie wird in das städtische Stromnetz eingespeist. Gewonnen wird die Energie mittels Solar- und Geothermie. Durch die für ein Verwaltungsgebäude eher ungewöhnliche Anwendung der Kriterien eines Passivhauses, liegt der Energiebedarf auf nur bei 45 kWh/m² im Jahr. Einen großen Anteil an diesem von Drees & Sommer entwickelten Energiekonzept trägt insbesondere die Holzfassade des Gebäudes. Durch die beweglichen Vertikallamellen mit PV Modulen dient die Fassade so der Energiegewinnung und Verschattung. Das hierfür verwendete Lärchenholz kommt aus lokalen Waldbeständen, wodurch der Transportweg verringert wird. Nominiert waren außerdem das umfassend und nachhaltig sanierte ehemalige Spiegel Verlagshaus in Hamburg sowie das interdisziplinäre Veranstaltungs- und Ausstellungszentrum „Futurium“ in Berlin, welches das Energiekonzept auch den Besuchern nahebringen will. Sogar die Photovoltaikanlage auf dem Dach wird den Besuchern barrierefrei zugänglich gemacht und zum „solaren Meer mit Skywalk“.

Der Sieger in der Kategorie "Nachhaltiges Bauen": Das Neue Rathaus Freiburg | Foto: DNP

Prof. Dr. Michael Bauer (zweiter von rechts) nahm stellvertretend für Drees & Sommer den Award entgegen. | Foto: Dariusz Misztal

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Alte Städte auf dem Weg Richtung Zukunft

Neben einzelnen Bauprojekten waren aber auch ganze Städte und Kommunen nominiert, die durch ihre Stadtentwicklungsprojekte Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit sind und nachhaltiges Bauen im großen Stil fördern. Eine dieser Städte ist das baden-württembergische Heidelberg, das bislang eher für die malerische Altstadt und das romantische Schloss berühmt ist. Doch Heidelberg kann auch modern und Zukunft. Im Patrick-Henry-Village entsteht auf 97 Hektar Fläche des ehemaligen US-Militärgeländes die „Wissensstadt der Zukunft“, ein Modellort, für den Einsatz digitaler Technologien, innovativer Mobilitätskonzepte und klimaneutraler Versorgung. Auch die Brachfläche des ehemaligen Güterbahnhofs wird zum Zukunftsstandort. Hier wächst ein neuer Stadtteil mit der größten Passivhaussiedlung der Welt, in der Strom und Wärme ausschließlich aus erneuerbaren Energien gewonnen wird. Ganz im Sinne der Nachhaltigkeit wird auch das Verkehrskonzept auf das umweltfreundliche Fahrrad als Leitverkehrsmittel ausgerichtet.

Das Fahrrad als Fortbewegungsmittel - ein Aspekt in dem Münster, der diesjährige Sieger der Kategorie „Städte und Gemeinden“, die Vorreiterrolle einnimmt. Die westfälische Universitätsstadt trägt nicht umsonst den Titel Fahrradhauptstadt, schließlich ist es das meistgenutzte Verkehrsmittel. Die Stadt verdeutlicht aber auch den Kerngedanken des Themas Nachhaltigkeit: Alle kommunalen Entscheidungen werden auf ihre „Enkeltauglichkeit“ hin im eigens dafür geschaffenen Dezernat überprüft. Nachhaltigkeit ist längst mehr als Öko und vor allem ist sie keine Momentaufnahme, wie manche Influencer es einem glauben machen wollen, sondern eine Investition für kommende Generationen.

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