Zweiter Fußverkehrkongress tagt in Berlin | Foto: Arturo Aastaneyra / unsplash

Rückbau der autogerechten Stadt: Fußläufige Erreichbarkeit soll in Baurecht verankert werden

Elena Bock

Textblock #1

Das Umweltbundesamt will, dass die Zahl der Wege, die jeder Bürger zu Fuß zurücklegt, bis 2030 um die Hälfte steigt. Das hat Effekte auf Regelwerke, Stadtplanung und Immobilienwirtschaft.

FUKO – das Wort klingt ein bisschen nach Hygienespray für Füße. Von den Füßen ist es tatsächlich nicht weit entfernt. In Wirklichkeit verbirgt sich dahinter ein Kongress, der die Fortbewegung per pedes in den Mittelpunkt stellt und dieser Tage zum zweiten Mal in Berlin stattfand. Unter dem Motto „Geht doch!“ luden das Umweltbundesamt und das Land Berlin Vertreter und Experten aus den Bereichen Umwelt, Verkehr und Stadtforschung zum Fußverkehrskongress ein, um über Themen wie Verkehrssicherheit, sichere und attraktive Gestaltung von Straßenräumen, aber auch Aspekte der Kommunikation, Gerechtigkeit und Datenanalyse des Fußverkehrs zu diskutieren.

Dabei wurden auch Ziele und Forderungen formuliert: Langfristig sollen nach Vorstellungen des Umweltbundesamtes zwei von drei Parkplätzen in den Großstädten wegfallen. Außerdem soll innerorts flächendeckend Tempo 30 gelten, Gehwege sollen verbreitert und Falschparker schärfer verfolgt werden. Und die Behörde ging sogar noch einen Schritt weiter, denn sie fordert nicht weniger als den Rückbau der autogerechten Stadt. Ziel sind mehr Gesundheit für die Menschen und weniger Belastungen für die Umwelt. Zudem soll es in den Verwaltungen feste Zuständigkeiten für den Fußverkehr geben, die „fußläufige Erreichbarkeit“ (zu engl. "Walkability“) als Entwurfs- oder Erschließungskriterium in Bau-Regelwerken verankert werden.

Zitat mit Autobahn-Logo

„Wo Fußverkehr gefördert wird, steht der Mensch im Mittelpunkt des verkehrspolitischen Handelns.“ - Umweltbundesamt

Textblock #2

Unter dem Schlagwort „Walkability“ berichteten wir bereits in diesem Artikel vom Stellenwert der Fußgängerfreundlichkeit, die heute vor allem für die junge Generation als unverzichtbarer Wertgarant für Immobilien und ausschlaggebender Faktor bei der Arbeitgeberwahl gesehen werden muss.
Dass das Thema Fußverkehr nun immer größere Wellen schlägt und sowohl generationen- als auch grenzübergreifend auf Nährboden stößt, zeigte auch das international aufgestellte Programm der FUKO 2018: Vortragende aus der Schweiz, Österreich und Großbritannien verleihen dem Kongress und dem Thema einen internationalen Kontext. Den Fußgänger verkehrspolitisch in den Fokus zu nehmen macht sich gleich mehrfach bezahlt: Wo Fußverkehr gefördert wird die Umwelt geschont, werden Städte attraktiver und die Lebensqualität steigt. Ziel des FUKO 2018 ist es, diese Entwicklung weiter voranzutreiben – in Deutschland und Europa.

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