In einzigartigem Ambiente tun sich himmlische Genüsse auf | Foto: At the Chapel

Himmlische Genüsse: Fine Dining in der Kirche

Wiebke Mönning
Wiebke Mönning

Redakteurin

Textblock #1

Gutes Essen erlangt im digitalen Zeitalter eine immer größere Bedeutung: Bei den stetig ansteigenden Zahlen der Konfessionslosen dient es bisweilen sogar als eine Art Ersatzreligion. Umso treffender, dass sich wiederum immer mehr profanierte Kirchen in Restaurants verwandeln, deren vielseitige Gastronomiekonzepte zur Pilgerfahrt anregen. Statt sparsam rationiertem Wein zur faden Hostie bietet so manche Kirche heutzutage ein ausgefeiltes Menü kulinarischer Köstlichkeiten.

Hohe Decken, angenehme Temperaturen und viel Platz: An szenischem Ambiente ist ein sorgsam renoviertes Kirchenschiff kaum zu überbieten. Denn ebenso wie beim Refurbishment von Kirchen zur Event-Location oder zum Kindergarten, zeichnet sich die Gestaltung zum Restaurant durch Ideenreichtum und viel Spielraum für Kreativität aus. Ob exquisit, bodenständig oder cool, diese Kirchen überzeugen optisch und kulinarisch.

Reduziert und doch sophisticated | Foto: At the Chapel

At the Chapel auf autobahn immobilienmagazin

Auf der Empore wartet gegenwärtige Kunst | Foto: At the Chapel

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Mittelalterlicher Charme im Süden Englands | Foto: At the Chapel

Textblock #2

Minimalismus trifft Retro im englischen Idyll: At the Chapel

Seidenspinnerei, Tonstudio, Hippiekommune – die Geschichte der ehemaligen Congregational Chapel im ländlichen Bruton ist vielseitig. Und vielseitig ist die Kirche unter dem neuen Namen At the Chapel geblieben, denn unter den Dächern ihrer Gebäude versammeln sich Restaurant, Hotel, Bäckerei und Weinladen zugleich. Genau das Richtige für die Bewohner und Besucher der Grafschaft Somerset. Da das Gebäude von außen unverändert ist, fügt sich At the Chapel nahtlos in das mittelalterliche Flair des Örtchens ein.

Dieses Zusammenspiel aus Neu und Alt setzt sich im Innern fort. Warme Holzmöbel und lindgrüne Polstersessel in skandinavischem Retro-Design kontrastieren mit den sechs Meter hohen Kirchenfenstern und dunklem Eichenboden aus dem 16. Jahrhundert. Dennoch wirkt das Ensemble stimmig, geeint unter einem zurückhaltenden Minimalismus, der sich auch in der modernen Kunst auf der Galerie-Empore widerspiegelt. Die Küche? Fast schon egal. At the Chapel verführt die Gäste neben den Backwaren aus der eigenen Bäckerei mit italienisch-englischen Speisen.

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Hohe Fenster, angenehmes Licht und exklsuive Küche | Foto: George Lainis

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Gesprächsanregend könnte der Text an der dunklen Decke wirken | Foto: At the Chapel

Textblock #3

Moderner Südstaatencharme: 5Church Charleston

Nahezu zum Kunstwerk wurde die ehemalige Kirche in Charleston, South Carolina, die nun das stylische Restaurant 5Church Charleston beherbergt. Die Kirchenfenster und der Dachstuhl der Kirche sind originalbelassen. Moderne Möbel und die imposant inszenierte Bar, die entlang des Kirchenschiffs auf industriellen Regalen thront, schaffen eine smarte Atmosphäre für die gehobene Küche mit lokalem Einschlag. Doch wer ob der Aromen verzückt den Blick gen Himmel richtet, findet dort einen interessanten Anblick: In weißen Lettern zieht sich „The Art of War“, ein chinesisches Traktat aus dem 5. Jahrhundert vor Christus, über die gesamte, schwarz getünchte Decke. Beeindruckend oder bedrückend, mag sich der Gast dabei fragen.

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Was aussieht wie eine ganz normale Kirche... | Foto: Pieter D'Hoop

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...hält einige Überraschungen bereit | Foto: Pieter D'Hoop

Textblock #4

Unkonventionelles Meisterwerk: The Jane

The Jane im Herzen des belgischen Antwerpen ist ein wahrer Tempel des Genusses – und ein faszinierendes Beispiel für gelungenes Refurbishment. Diese Kirche ist auch nach ihrer Profanierung eindeutig ein Sakralbau geblieben: „Food is our religion“, sagen Gründer Nick und Sergio. Daher befindet sich die offene Küche des The Jane im Herzen der Kirche, dort, wo früher einmal der Altar stand.

Neben den delikaten Kreationen der Küche entfaltet sich ein Füllhorn an Reizen vor den Augen des aufmerksamen Gastes. So mussten die alten Kirchenfenster einem modernen Potpourri an Symbolen und bunten Motiven weichen, die in ihrer Umgebung zwar ungewohnt scheinen, doch optimal zu The Jane passen. Nun zieren unter anderem Piratenflaggen, Zahnarztutensilien oder angebissene Äpfel in buntem Glas die Fenster.

Polstersessel, Tischdekoration und Beleuchtung im Mid-Century Design werden von stuckverzierten Wänden gerahmt. Ihr frisches Weiß hebt sich wiederum stark von der Decke ab, deren dunkle Farbe sich von der Wand zu lösen scheint. Als wäre der Umbau noch nicht abgeschlossen. Ein gigantischer Kronleuchter taucht das Kirchenschiff in sanftes Licht, im stilistischen Kontrast zu einem mexikanisch gestalteten Totenschädel aus Neonröhren, der in zentraler Position über dem Chor auf die Gäste hinabblickt. Erst im Zusammenspiel dieser Gegensätze entsteht eine erfrischend irisierende, einzigartige Atmosphäre.

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Die heilige Halle der Kulinarik | Foto: Pieter D'Hoop

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