Kreatives Chaos in Reinform | Foto: Alex Iwan

Das Genie-Büro: Lernen von Yves Saint Laurent

Alex Iwan
Alex Iwan

Chef-Kolumnistin Autobahn-Immomag, Gründerin + Inhaberin der PR+Presseagentur Textschwester

Textblock #1

Co-Working, Café-Working oder Hauptsache irgendwo Working – nichts geht über ein geniales Hybrid-Büro, das alles kann: Schatzkammer der guten Ideen, Lagerfeuer für Mitarbeiter, Bibliothek des Wissens und unaufgeregte Bühne des Erfolges und Schaffensdrang seines Besitzers. Und da wären wir: bei der Allzweckwaffe „großes Einzelbüro mit Zusatznutzen“.

Das Arbeitszimmer von Monsieur Yves Saint Laurent ist über dreißig lange Jahre das Herz des Haute Couture Hauses gewesen. Mitten im Haus an der Avenue Marceau in Paris gelegen, ist der große Raum der schlichte Kontrast zu all den verspielten Salons der Mode-Maison an der Seine. Sein Büro, das er Studio nannte, war hell, sehr ruhig und neutral gehalten. Zentrales Gestaltungselement war eine große Spiegelwand. Der Couturier hat seine Arbeitsergebnisse, seine Entwürfe hier gleich geprüft und in Anschein genommen – von allen Seiten. 360 Grad Kontrolle am Ort der Entstehung.

Am meisten Platz nimmt das langgezogene und deckenhohe weiße Bücherregal ein – Saint Laurents wichtigste Quelle für Inspirationen und „mentales Studio“. Er liebte es zu lesen und auf seinem Sofa die Welt seitenweise zu vermessen und zu genießen. Diese Vorliebe ist in seinem Pariser Studio deutlich ablesbar. Büros ohne Bücher haben keine Seele. Auch wenn wir alle ultradigital sind, Kataloge und Publikationen sind wunderbare, stille Begleiter in ruhiger Arbeit. Die Surprise in diesem Studio ist aber, das man kleine weiße Gardinen, wie in einem Beichtstuhl, über die Bücherreihen ziehen kann. Wenn diese verschwanden, konnte die konzentrierte Tätigkeit am großen Entwurfs- und Besprechungstisch ohne Ablenkung geschehen.

Das Ergebnis des kreativen Schaffensprozesses lädt zum Träumen ein | Foto: Musée Yves Saint Laurent Paris/Luc Castel

Ein buntes Allerlei an Inspirationsquellen | Foto: Musée Yves Saint Laurent Paris/Sophie Carre

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Die Schätze des Couturiers

Das Haute Couture Haus, in dem jedem Tag über 200 Mitarbeiter arbeiteten, war sehr strikt organisiert. Jede Etage hatte im kreativen Prozess eine ganz eigene Aufgabe (Entwurf, Nähstube, Sales etc.), denn vor der Modenschau ist nach der Modenschau! Während der intensivsten Vorbereitungszeit arbeiteten im Büro von Yves Saint Laurent sechs bis sieben seiner engsten Mitarbeiter nahezu rund um die Uhr. Das Büro ist auch Ausdruck des gut trainierten Muskels einer exzellenten Teamperformance. Ein Raum, der alles kann und kein einziges Statussymbol hat – außer die perfekte Teamleistung de luxe!

Am meisten begeistern die Kleinigkeiten seines Schreibtisches: Eine winzig kleine Holzplatte, gespickt mit Souvenirs, bunte Stoffmuster, skurrile Briefbeschwerer, die gar nichts beschweren müssen, ein Bildband von Ingres, ein Katalog der Juwelen der Maharadschas, alles fein gestapelt. Hinter seinem einfachen Stuhl aus Holz öffnet sich die Regalwand zu einem Altar der Lieblingsgegenstände: Andy Warhols farbenfrohe Bilder seines Hundes, der kleinen französischen Dogge, ein Schwarz-Weiß-Foto von seiner wunderschönen Freundin Catherine Deneuve. Zwischen allerlei Zeichnungen und malerischen Definitionen von Farbakkorden finden sich eine Reproduktion von Rembrandts Selbstbildnis oder auch eine gerahmte Kohlezeichnung seines Porträts. Seine Dogge sieht man auf noch mehr Fotos und als Porzellanskulptur. Eine Wunderkammer à la parisienne, frei von Statussymbolen. Man braucht für ein gutes Büro nur eines: den Mut, sich selbst zu zeigen.

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Aus einem Wirrwarr von Schnipseln und Mustern werden umwerfende Roben | Foto: Musée Yves Saint Laurent Paris/Luc Castel

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Der Meister bei der Arbeit | Foto: Musée Yves Saint Laurent Paris

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