Nur noch ein Schritt bis zum vernetzten Quartier | Foto: Seestern

Weniger Zettelwirtschaft, mehr App: Quartiers-App steigert Lebensqualität

Wiebke Mönning
Wiebke Mönning

Redakteurin

Textblock #1

Die Welt wird smart: Smartphone, Smartwatch, Smart Home – die Digitalisierung hält Einzug in alle Bereiche des alltäglichen Lebens. Insbesondere in der Immobilienbranche ist das Potenzial der smarten Prozesse längst nicht ausgeschöpft. Einen wichtigen Schritt hin zu einem ganzheitlichen Digitalkonzept für Quartiersentwickler und -betreiber geht das Immobilien-Startup Animus. Denn digital ist hier kein geflügeltes Wort, sondern Programm.

Animus hat eine Quartiers-App entwickelt, die eine digitale Brücke zwischen Quartiersentwicklern und deren Mietern schlägt. Als „All-in-One“-Lösung bietet die Software Projektentwicklern, Immobilienunternehmen und Verwaltern ein Tool, um Service-Leistungen digital zu bündeln und die Lebensqualität und Convenience der Bewohner zu steigern. Progressive Quartiere wie das Wohnquartier le flair oder das Business-Quartier Seestern in Düsseldorf nutzen das Angebot bereits. Im Interview verrät Dr. Chris Richter, Geschäftsführung Animus, wie die Quartiers-App Nutzern als Service-Butler zur Seite steht und so einerseits zu mehr Effizienz und andererseits zu mehr Zusammenhalt führt.

autobahn: Die Animus-App nimmt eine Vorreiterrolle in der digitalen Immobilienentwicklung ein. Welches Konzept steckt dahinter?

Dr. Chris Richter: Wir sind ein Startup, das mit unserer eigens entwickelten App Leben in die Quartiere bringen möchte, indem wir alles rund um die Wohnung oder den Arbeitsplatz aus einer Hand anbieten. Die drei Bereiche Kommunikation, Information und Service sind der tragende Gedanke hinter der Applikation. Die App ist ein flexibles und nützliches Hilfsmittel: Wichtige Mitteilungen zum Quartier erreichen in Sekundenschnelle die Mieter und sind rund um die Uhr verfügbar. Ebenso nützlich wie bequem sind auch Dienstleistungen wie Wäsche-Service und Reinigungskräfte. Diese können direkt in der App gebucht werden.

Mit einem digitalen Beanstandungsmanagement, Chats und Pinnwänden erleichtert die App nicht nur administrative Vorgänge. Sie entwickelt sich mit fortschreitender Zeit zum sozialen Quartiers-Netzwerk. Im Idealfall entsteht aus der digitalen Kommunikation zwischen Mietern eine offline-Beziehung, denn es ist letztlich die persönliche Begegnung, die das Leben ausmacht.

Eine eigene App zu entwickeln ist natürlich am Anfang eine Investition, sowohl zeitlich als auch monetär. Welchen Mehrwert haben Quartiersentwickler und -betreiber von einer App? 

Die Anwendung der App eignet sich insbesondere für Projektentwicklung, Gewerbe und Gewerbestandorte, Wohnungswirtschaft und Studentenwohnheime. Je nachdem, wann diese sich zur Nutzung der App entschließen, ergeben sich verschieden umfangreiche vorteilhafte Strategien aus der App. So können Projektentwickler noch während der Entwicklung innovative Ideen einbinden. Digitales Marketing und digitaler Vertrieb sind über die App ebenso möglich wie die Erschließung neuer Zielgruppen.

Während der Bewirtschaftungsphase ist eine Prozessoptimierung und eine Kostenreduktion möglich. Digitale Verwaltungsprozesse wie Dokumentenverwaltung, Beanstandungsmanagement und Online-Formulare steigern die Effizienz. Nutzt man die Applikation für Bestandsimmobilien geht es ebenfalls stark um Prozessoptimierung und Endkostensenkung durch Digitalisierung. Im Rahmen von Refurbishment gibt die App einem bestehenden Projekt zusätzlich einen digitalen Anstrich. Statt einer baulichen Modernisierung wird die Immobilie mit einem digitalen Gesamtkonzept verbunden. Über die Kostenreduktion hinaus steigert die Anbindung von Drittanbietern mit zusätzlichen Provisionen sogar die Profitabilität.

Der Vernetzungsgedanke ist in jeder Phase der Immobilie enorm wichtig, schließlich handelt es sich um ein modernes Kommunikationsmittel. Man möchte Fans kreieren – das Ziel ist Kundenbegeisterung, Kundenbindung. Drei Punkte bringen die Vorteile der App also besonders gut zum Ausdruck: Optimierung, Mehrwerteinnahmen und Kundenzufriedenheit.

Womit überzeugen Sie auch den hartnäckigsten Zweifler vom Animus-Konzept?

Erstens: Digitalisierung lässt sich nicht aufhalten. Man kann keinen Bogen um die Digitalisierung machen, da die Nutzer inzwischen ein oder gar zwei Smartphones haben. Das ist im Privaten so gelebt, also muss die Immobilienbranche nachziehen. Zweitens: Aus Sicht des Unternehmens muss der Kunde im Mittelpunkt stehen. Die Anforderungen des Kunden werden immer höher. Genau da liegt aber auch die Chance. Bauen kann jeder – Unterscheidungsmerkmale sehen anders aus, zum Beispiel wie unsere App. Und drittens, und da bekommen alle naturgemäß die größten Ohren: Sie sparen Geld durch das Substitut von analogen Dienstleistungen durch digitale Dienstleistungen. Wir bieten eine Software, die es tatsächlich möglich macht, Geld zu verdienen. Durch die Marketing-Präsenz kann schneller vermietet und verkauft werden, auch durch Cross- und Up-Selling. Diese Kombination von Kostenreduktion und Wertsteigerung ist sehr interessant.

Wie können Mieter die App konkret nutzen?

Das ist natürlich vielschichtig. Im Wohnbereich sind alltägliche Dinge wie Beanstandungen und Vertragswesen klassisch abgedeckt. Auch die Paketannahme erfolgt über die App, Ansprechpartner in den Immobilienunternehmen und Notfallnummern sind dort gelistet. Dienstleistungen wie Car-Sharing, Lebensmittellieferungen und Handwerker werden im Gewerbebereich um Angebote wie Raumbuchungen ergänzt. Künftig spielt das Thema Smart Home eine wichtige Rolle. Komponenten wie Licht, Tür, Eingangskontrolle usw. steuert der Nutzer nicht in einer weiteren App, sondern über die große Animus-App. Hier stellt er nicht nur die Temperaturen herunter, sondern sieht auch: Mensch, heute Abend ist Yoga! Somit schafft die App Zeit für das Wichtige und trägt zu einer ausgeglichenen Work-Life-Balance bei.

Gibt es ein Erlebnis in der App, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Ja, tatsächlich. Als im le flair war eine dreibeinige Katze entlaufen war, wurde der Aufruf zur Suche sehr intensiv im Quartiers-Netzwerk gespielt. Sie wurde schließlich unter der Motorhaube eines Autos gefunden. Solche Themen emotionalisieren das Netzwerk. In Berlin führte die App zu einer idealen Vernetzung: Ein Büromieter wollte seine Büromöbel wegen Gebrauchsspuren auswechseln, erfuhr durch die App jedoch, dass sich im selben Haus ein Anbieter auf die Aufbereitung genau dieser Möbel spezialisiert hatte! Verlosungen, Adventskalender und Osteraktionen – alles ist schon vorgekommen. Romantisch ausgedrückt handelt es sich um gelebte Nachbarschaft.

| | |

Mehr entdecken