Attraktiver als überfüllte Shopping Center sind die Nahversorger | Foto: pexels/fancycrave

Der Handel muss zurück in die Wohngebiete

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Gegen das Online-Shopping ist ein Kraut gewachsen: das Nahversorgungs-Shoppen. Das zumindest sagt der erste Habona-Nahversorgungs-Report. Das Marktvolumen ist heute schon groß und wird weiter wachsen.

Wohnortnahe Handelsstandorte gewinnen Jahr für Jahr mehr Passantenfrequenz und Umsatz hinzu, wohingegen Shoppingcenter und typische Fußgängerzonen immer mehr Passanten verlieren. Allein der Umsatz mit Lebensmitteln und Drogeriewaren ist zwischen 2012 und 2017 um 12,8 % gestiegen. Der Ladenumsatz mit Bekleidung ist im gleichen Zeitraum um 7,6 % zurückgegangen. Das Wachstum der Nahversorgung sorgt somit für eine große Umverteilung des deutschen Ladeneinzelhandels. Dies geht aus dem aktuellen Habona-Report 2018 hervor.

Nahversorgungsspezialist und Fondsinitiator Habona Invest ist gemeinsam mit den führenden Marktforschern und Beratungsunternehmen GfK und Savills Herausgeber des Habona-Reports 2018. Die Investmentgesellschaft sieht das Marktsegment der Nahversorgung als eigene Vermögenswertkasse. „Dank der Schnelligkeit und Bequemlichkeit der Smartphones und Apps will der Kunde seine knappe Zeit besser nutzen“, sagt Manuel Jahn, Head of Business Development bei Habona. „Das Einkaufen ist dabei nur ein Teil ihrer Tagesgestaltung. Egal, ob Kinderbetreuung, Arzttermin, Parkplatzsuche, das Treffen mit Freunden oder aber ein Spaziergang mit dem Hund: Der Konsument bevorzugt immer den kürzesten Weg für die Verknüpfung und praktische Erledigung seiner alltäglichen Aufgaben und Bedürfnisse.“

Immer näher, immer schneller

Nahversorgungsstandorte nennt Jahn krisensichere Treffpunkte von Nachbarschaften. Außerdem leisteten sie elementare Beiträge zur Sicherung materieller und immaterieller Grundbedürfnisse. Handelsstandorte sieht der frühere GfK-Analyst als Profiteure der Digitalisierung an, wenn sie dem Kunden in seiner Tagesgestaltung sinnvolle und zeitsparende Verknüpfungsmöglichkeiten anbieten können. Schon aufgrund der gewaltigen Marktgröße der Nahversorgung liege dort für den Ladeneinzelhandel künftiges Wachstumspotential.

Der Fokus der institutionellen Immobilienwirtschaft hat lange Zeit auf großvolumigen Handelsformaten wie Geschäftshäusern, Shoppingcentern und Fachmarktzentren gelegen. Daher ist das Wachstum der Nahversorgung lange Zeit unbeachtet geblieben. Nach GfK-Zahlen werden aktuell rund 241 Milliarden Euro für Sortimente wie Lebensmittel und Artikel des täglichen Bedarfs ausgegeben. Das ist ungefähr die Hälfte der Einzelhandelskaufkraft. In den Folgejahren erwartet der Habona-Report einen Umsatzzuwachs von rund sechs Milliarden Euro netto pro Jahr. Grund dafür ist die Weiterentwicklung margenstarker Food- und Gastrotrends. Bei Unterstellung einer Mietanteilsquote von fünf Prozent ergibt sich rein rechnerisch ein zusätzliches Mietertragspotenzial von 300 Millionen Euro. Auf Basis eines durchschnittlichen Multiplikators von 15 ist dies ein Wertzuwachs von 4,5 Milliarden Euro pro Jahr in diesem Immobiliensegment.

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