Die süße, klebrige Bedrohung | Foto: unsplash/Thomas Kelly

Ein Donut, der nicht süß ist

Wer von der Pyramide spricht, outet sich als Volldepp. Längst sprechen alle vom Döner. Der ist sogar fachbuch- und postertauglich. In Bezirksämtern klärt der Bevölkerungsdöner an jeder zweiten Wand über die Altersstruktur in Industrieländern auf. Immer weniger Junge müssen immer mehr Ältere durchfüttern. Schlimm. Und es gibt Gebiete, in denen das Verhältnis zwischen Jung und Alt besonders unappetitlich ist. Klar, dass Immobilieninvestoren um solche Döner-Regionen einen großen Bogen machen. Wo keine ausgabefreudigen Gebäudenutzer, da keine Rendite. Doch jetzt bekommt das Döner-Gespenst einen Grusel-Bruder: den Donut. Nicht heiß und fettig, sondern süß und klebrig. Gemeint ist ein Effekt, der Stadtzentren aushöhlt und Stadtränder aufbläht. Im Ortskern leere Büros, Wohnungen und Ladenflächen, an der Peripherie Einfamilienhaussiedlungen und Gewerbegebiete. Eine Struktur, die bei Kommunen das Gegenteil bewirkt wie der Krapfen aus Hefe- oder Rührteig bei uns: Städte und Dörfer bekommen ein Loch in der Mitte, wir Menschen einen Schwabbelring um Hüfte und Bauch.

Die Bundesstiftung Baukultur hat jetzt den Donut in die Diskussion eingebracht. Und mit der Analyse zusammen mit dem Wohnungsverband GdW Forderungen verknüpft. Deutschland brauche landesweit stabile Mittelstädte, die zu „Ankerstädten“ ausgebaut werden. Die sollen attraktiv sein für Unternehmen und Bewohner. Und dadurch verhindern, dass sich Deutschland weiter spaltet – in boomende Hotspots und ländliche Regionen auf dem Abstellgleis. Das Loch in der Mitte soll weg, aus den Donuts eine Art gedeckter Apfelkuchen werden, der allen gut schmeckt. Doch eine Trendumkehr, die in Einwohnerzahlen gerechnet wird, ist mindestens so schwer wie die mit der Einheit Kilojoule. Also bleibt er erst einmal, der Donut. Zusammen mit dem Döner. Wir müssen uns dran gewöhnen.

| |

Mehr entdecken