Gib mir mal das WLAN-Kabel: Digitalisierung verändert Geschäftsprozesse | Foto: unsplash/Yung Chang

Schöne digitale Immobilienwelt oder doch nur Kabelsalat?

Miriam Beul
Miriam Beul

Chefredaktion Autobahn-Immomag, Gründerin + Inhaberin der Textschwester Immobilienkommunikation GbR

Textblock #1

Die Zukunft wird wunderbar. Auf diese einfache Formel kommt Michio Kaku, nachdem er Interviews mit 300 führenden Forschern aus den Wissensgebieten künstliche Intelligenz, Raumfahrt, Medizin, Biologie und Nanotechnik geführt hat. Fazit des Quantenphysikers und Bestsellerautors: In Zukunft wird vieles möglich sein, wovon die Menschen seit Jahrtausenden träumen. Dank Biotechnologie werden wir beispielsweise perfekte Körper erschaffen. Wir werden Lebensformen kreieren, die es auf unserem Planeten vorher nie gegeben hat. Statt durch Straßen werden wir in schnittigen Fahrzeugen über den Himmel flitzen und dabei fast keinen Treibstoff verbrauchen. Roboter, so sehen es die von Kaku befragten Forscher, werden immer intelligenter und irgendwann selbstverständliche Mitbewohner unseres Planeten sein. Alexa als Spülhilfe, was für eine Aussicht!  

Viele Wirtschaftszweige stellen sich bereits auf diese Zukunftsszenarien ein. Drohnen erobern die Logistikindustrie, Industrieroboter die Produktion. Die Immobilienwirtschaft, die jeden zehnten Arbeitsplatz hierzulande stellt, hinkt mit dem Ausloten der Möglichkeiten anderen Branchen hinterher. Zwar sind mobile Arbeitsgeräte beim Ablesen von Energieverbrauchsdaten oder Mieterdaten in virtuellen Datenräumen schon Standard. Auch haben einige Unternehmen schon früh auf Vermittlungsplattformen für Wohnungen im Netz oder auf crowdbasierte Immobilien-Investments für Kleinanleger gesetzt. „Künstliche Intelligenz und Robotics werden weitestgehend noch als Zukunftsmusik gesehen“, sagt Gerald Kremer. Das weiß der Senior Manager Digital Real Estate beim Beratungsunternehmen Ernst & Young aus einer aktuellen Umfrage, die sein Unternehmen zusammen mit dem ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss durchgeführt hat. Dazu wurden 152 deutsche Immobilienunternehmen befragt. Ergebnis: Die meisten haben Zukunftsthemen wie die Digitalisierung auf der Agenda. Trotzdem bleibt die Mehrheit ihren eher traditionellen Geschäftsmodellen treu. Aus unterschiedlichen Gründen: Das Neue ist ungewohnt, kostet zu viel, erfordert Umdenken, bringt kurzfristig keine positiven Effekte. Und: Es macht Angst.

Textblock #2

Große Veränderungen für Asset-, Property- und Facility Manager

„Dabei können Künstliche Intelligenz und Robotics beachtlich zur Optimierung und Automatisierung der Geschäftsprozesse beitragen“, sagt Ernst & Young-Experte Kremer. Das sahen 75 Prozent der befragten Unternehmen zwar ganz genauso. Gleichzeitig erwartete aber nur jeder fünfte Befragte Einsparpotenziale hinsichtlich des Energie- und Ressourceneinsatzes. Die Implementierung von Robotics und Künstlicher Intelligenz wird nach Ansicht von 55 Prozent der Befragten zudem durch hohe Investitionskosten gebremst. Ein weiterer Hemmschuh: die fehlende Nutzerakzeptanz. Ernst & Young-Experte Kremer wünscht sich gerade hier mehr Differenzierung: „Robotics und auch künstliche Intelligenz stehen immer noch in dem Ruf, Arbeitsplätze zu ersetzen. Das gilt auch für die Immobilienwirtschaft. Dabei sollen sie durchaus einen Teil der Arbeit ersetzen, aber eben nicht Arbeitsplätze. Sie sollen uns den Rücken freihalten für kreative, anspruchsvolle Aufgaben, die uns fordern.“  

Dass dies alles ganz ohne Arbeitsplatzverluste einhergeht, darf man bezweifeln. So wird zum Beispiel Künstliche Intelligenz vor allem im Facility, Property und Asset Management eine massive Rolle spielen. „Überall dort, wo es wiederkehrende Tätigkeiten gibt, wird die Automatisierung voranschreiten“, sagt auch Kremer. Immobilienbewertungen und Transaktionsvorgänge werden sich ebenfalls verändern. „Heute werde bei jeder Transaktion jeder einzelne Mietvertrag händisch neu bewertet. Das wird sehr bald automatisiert ablaufen“, prognostiziert Kremer.

| | | | |

Mehr entdecken

In Berlin ist Wohnraum knapp | Foto: Yevhenii Baraniuk / unsplash

Wohnraumdruck in deutschen Wirtschaftszentren steigt

Der Bedarf an Wohnraum in den deutschen Wirtschaftszentren steigt laut einer Analyse von Engel & Völkers Commercial kontinuierlich. An sechs der sieben wichtigsten Standorte kann der Wohnungsneubau nicht mit der Bevölkerungszunahme Schritt halten; das Wohnraumdefizit nimmt zu. > weiterlesen