Das Dreischeibenhaus zwischen Kö-Bogen und Schauspielhaus I Foto: Ansgar M van Treeck

Architekturikone in neuem Glanz

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Claudia Roggenkämper, Projektpartnerin bei HPP Architekten, hat mit ihrem Team das Düsseldorfer Dreischeibenhaus zeitgemäß überarbeitet. Das denkmalgeschützte Gebäude, das in nur drei Jahren, von 1957 – 1960 errichtet wurde, haben die HPP Gründer Helmut Hentrich und Hubert Petschnigg mit Fritz Eller, Erich Moser und Robert Walter entworfen. Über die Herausforderungen dieses Refurbishments haben wir mit Claudia Roggenkämper auf der Terrasse des Dreischeibenhauses mit Blick über Düsseldorf gesprochen.

autobahn: Frau Roggenkämper, warum musste das Dreischeibenhaus saniert werden? 

Claudia Roggenkämper: Es gab eine Vielzahl von Merkmalen, die nicht mehr zeitgemäß waren oder aktuellen Auflagen nicht mehr Rechnung trugen. So war die Gebäudetechnik veraltet und die Energie- und Betriebskosten damit immens. Dazu kamen diverse Punkte, die in der heutigen Zeit eine Immobilie kaum vermietbar machen. Die Fenster zum Beispiel waren nicht zu öffnen und der Sonnenschutz lag innerhalb der Räume. Dies hatte einen extrem hohen Wärmeeintrag zur Folge, der mit viel Energieaufwand wieder runtergekühlt werden musste. Darüber hinaus wurden die Brandschutzauflagen nicht mehr erfüllt und die Brandschutzsicherheit war nicht gegeben. Neben technischen Modernisierungen mussten aber auch räumliche Anforderungen erfüllt werden. Auch die in Teilbereichen unzeitgemäße Innengestaltung und die Diskrepanz zwischen Gebäudeimage und Nutzungsangebot trug dazu bei, das Gebäude sanieren zu müssen.

Was war das Besondere an dem Projekt? 

HPP Architekten waren schon 1957 die Architekten und sind damit Urheber dieser wunderbaren, international bekannten, denkmalgeschützten Hochhausikone in bester Innenstadtlage Düsseldorfs. Dieses 1960 fertiggestellte Haus fit für die Zukunft zu machen hat auch für HPP eine besondere Bedeutung und ich persönlich habe es als Ehre empfunden, das Projekt unter meiner Leitung planen zu dürfen. 2015 haben wir dann auch in Cannes den MIPIM Award „Best refurbished Building“ gewonnen.

Zitat mit Autobahn-Logo

„Obwohl das Dreischeibenhaus als teuerste Büroimmobilie Düsseldorfs vermarktet wurde, entwickelte die Vermietung und Vermarktung sich quasi zum Selbstläufer.“

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Was waren die größten Eingriffe die Sie vorgenommen haben? 

Wo fange ich an? Wir haben aus einer vollständig geschlossenen Fassade eine öffenbare Fassade entwickelt, die vom Denkmalamt getragen wird. Die Treppenhäuser der oberen drei Geschosse wurden um 90 Grad gedreht, um die Nutzung der obersten Geschosse zu ermöglichen. Um dem Brandschutz gerecht zu werden, haben wir einen Feuerwehraufzug eingebaut, was durch die Drehung des ehemaligen Lastenaufzuges und die Schließung eines der 8 vorherigen Aufzugschächte ermöglicht wurde. Außerdem wurden durch Einbau von Rauchschutzvorhängen im ebenfalls denkmalgeschützten Foyer zwei getrennte Rettungswege geschaffen. Die Zugänge zu den neuen Terrassen auf den Dachflächen zu ermöglichen, war ebenfalls ein Eingriff in die vorhandene Struktur.

Was lief in der Durchführung schlechter als geplant? 

Zum Teil erwies sich die in der ursprünglichen Planung zur Erhaltung angedachte Bausubstanz als nicht verwertbar. So wollten wir eigentlich die Glasanlagen in den Zugangstüren zum Mietbereich sanieren, mussten dann aber feststellen, dass sie den heutigen Ansprüchen nicht mehr gerecht werden. Also hieß es erneuern. Verzögerungen gab es zum Beispiel durch den Wintereinbruch im Steinbruch. Das ist eine von vielen Geschichten, die unsere Detailtreue beschreibt. Das so genannte "Tauerngrün Serpentinit" im Foyer fanden alle so schön und passend, dass wir es auch für die Aufzugsfoyers verwenden wollten. Der Steinbruch aus dem die Platten 1958 kamen, war allerdings inzwischen geschlossen. Also haben wir in Indien, China und gefühlt der halben Welt nach diesem Stein gesucht - erfolglos. Am Ende haben wir es dann doch geschafft, aus dem ursprünglichen Steinbruch noch Material zu beziehen, der dann eben durch den Winter auch noch verzögert wurde. Im Ergebnis hat sich der Aufwand unbedingt gelohnt.

Was lief besser als geplant? 

Obwohl das Dreischeibenhaus als teuerste Büroimmobilie Düsseldorfs vermarktet wurde, entwickelte die Vermietung und Vermarktung sich quasi zum Selbstläufer.

Was könnten andere Hochhaus-Refurbishments von diesem Projekt lernen? 

Es lohnt sich, eine qualitätsvolle Architektur auf Erhalt und Modernisierung hin zu prüfen. Meist ist das Baurecht heute nicht wieder im gleichen Maß zu bekommen. Die Erkundung der Substanz, ein exaktes Aufmaß und die Kenntnis der Bauweise/Konstruktion ist von elementarer Bedeutung.

Nicola Knüwer und Claudia Roggenkämper beim Interview auf der Terrasse des Dreischeibenhauses. Foto: autobahn

Nicola Knüwer (links) im Gespräch mit Claudia Roggenkämper auf der Dachterrasse des Dreischeibenhauses. Foto: autobahn

Süd-Ansicht von der Tiefgaragenzufahrt. Foto: Ralph Richter

Im Foyer liegt der Stein, der sich nun im Haus wiederfindet. Foto: HG Esch

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